Geldvermögen: Deutschland unterentwickelt

Die Allianz hat den „Global Wealth Report 2013“ vorgelegt. Demnach ist das Geldvermögen im vergangenen Jahr weltweit um 8,1% angewachsen, die Deutschen gewinnen vergleichsweise wenig hinzu.

Der Geld-Vermögensbestand in Form von Aktien, Ansprüchen gegenüber Versicherungen, sowie Bargeld und Bankeinlagen summierte sich weltweit brutto auf das Rekordniveau von 111,2 Bill. Euro. Deutschland kommt mit einem Anteil von 4,44% auf den fünften Platz, die USA liegt mit fast 38% auf dem ersten Rang, es folgen Japan, China und Großbritannien.

Die größten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr können Indien, China, Australien, Brasilien und Mexiko verbuchen. Die USA belegen hier den siebten Rang, Deutschland kommt auf Platz 17. Das Wachstum lag 2012 weltweit klar über dem Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2012 von jährlich 4,6% pro Jahr, es war zugleich das stärkste seit sechs Jahren.

Die Entwicklung an den Aktienmärkten war der stärkste Wachstumstreiber. Das Wertpapier-Vermögen stieg um 10,4% und lieferte das beste Ergebnis seit der Finanzkrise. Von den drei großen Anlageklassen schnitten die Bankeinlagen mit plus 6,7% am schwächsten ab. An den in vielen Ländern sehr niedrigen Zinsen kann das nicht gelegen haben. Die Allianz schreibt die Entwicklung daher „frischen“ Anlagegelder zu. Das Wertpapiervermögen lag auch 2012 noch niedriger als vor Beginn der Finanzkrise. Klassische Sparformen scheinen bei den meisten Anlegern weiterhin hoch im Kurs stehen. Solche vermeintlich sicheren Anlagen führen mit ziemlicher Sicherheit dazu, dass solcherart angelegte Geldvermögen real schrumpfen.

Die Schulden der privaten Haushalte legten 2012 deutlich langsamer zu, die weltweite Schuldenlast stieg um 2,9%. In den zehn Jahren zuvor waren es durchschnittlich 5,5% p.a. Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Die Schulden der Privathaushalte sind seit 2007 in Lateinamerika und Asien um bis zu 17% jährlich angestiegen, die US-Haushalte entschuldeten sich demgegenüber etwas.

In der netto-pro-Kopf-Betrachtung der privaten Haushalte belegt die Schweiz mit fast 142.000 Euro den ersten Platz, gefolgt von den USA mit fast 101.000 Euro. Auf den nächsten Plätzen rangieren Japan, Belgien und die Niederlande. Deutschland kommt auf Platz 14, hinter Italien und Frankreich. Mexiko, China, Brasilien und Indien belegen mit netto-pro-Kopf-Einkommen von jeweils unter 10.000 Euro die Plätze 17 bis 20.

Berechnet man aus den Zahlen der Allianz die pro Kopf-BIP-Schuldenquote der Privathaushalte, so führt Dänemark mit gut 148% die Liste an. Es folgen die Niederlande, Schweiz, Australien und Großbritannien. Die USA kommt auf Platz zehn (85,54%), Deutschland rangiert mit 59,24% auf Platz 15 und damit deutlich unter dem Medianwert von 83%.

Der Vermögensbericht der Allianz deckt nur eine Facette im wirtschaftlichen Bild eines Landes ab. Betrachtet man in diesem eingeschränkten Bild die pro-Kopf-Rangfolgen von netto-Geldvermögen, BIP und Schuldenquote, so fallen die Niederlande, Großbritannien, Dänemark, Südkorea und Spanien mit einer im Vergleich zu anderen Ländern eher ungünstigen Kombination auf. In den Niederlanden ist die hohe Schuldenquote problematisch, in Großbritannien divergiert das Geldvermögen zum (relativ niedrigen) BIP bei gleichzeitig hohem Schuldengrad. Das dänische Geldvermögen ist im Vergleich zum BIP unterentwickelt, die Schuldenquote ist hoch.

Das „reiche“ Deutschland rangiert auf der Vermögensskala und bei der Schuldenquote im unteren Drittel, beim BIP im Mittelfeld. „Reich“ sieht anders aus.

Anmerkung: Die EZB hat im April eine Untersuchung der Wohlstandsverteilung in der Eurozone veröffentlicht.

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