Aktien – bald Korrektur?

Nach der überraschenden Fed-Entscheidung, ihr QE-Programm nicht zu drosseln, suchen wir Hinweise darauf, wie es bei Aktien weitergeht. Die Aktienkurse hatten auf die Fed-Entscheidung ausgesprochen positiv reagiert. Kein Wunder, denn die Politik der Geldflut hat bereits seit Jahresbeginn zu starken Kursaufschlägen geführt.

Die Investmentlegende Bob Farrell hat einmal gesagt: Märkte tendieren langfristig zur Mitte. Der langfristige Marktverlauf ist wie ein Gummiband – wird es stark in eine Richtung ausgelenkt, schwingt es nach dem Loslassen in die andere. Übertreibungen in die eine Richtung führen zu Übertreibungen in die andere.

In dieser Aussage steckt einerseits die Behauptung, Märkte kehren stets zur Mitte zurück, wobei „Mitte“ nicht notwendigerweise ein gleichbleibender, statischer Pegel ist. Andererseits wird mit dem Hinweis auf Übertreibungen eine gewisse preisliche und zeitliche Symmetrie unterstellt. Märkte neigen wie jede soziale Veranstaltung zur Symmetrie und zur Wiederholung.

Wir wollen nach dem Gummiband suchen und unterstellen, dass der S&P 500 von Oktober 2007 bis aktuell (Oktober/November 2013) einen großen Zyklus von „großem“ Hoch zu „großem“ Hoch absolviert. Als Gummiband bietet sich die lineare Regression über den Kursverlauf in diesem großen Zyklus an. Im Chart ist das die hellgelbe, aufsteigende, gestrichelte Linie. Sie liegt heute bei rund 1450 Punkten.

Was die zeitliche Symmetrie angeht, so lassen sich innerhalb des großen Zyklus von Oktober 2007 bis September/Oktober 2013 fünf Teil-Zyklen (jeweils zwischen signifikanten lokalen Maxima) identifizieren:

  • Okt 2007 bis Apr 2010 (abwärts)
  • Apr 2010 bis Apr 2011 (aufwärts)
  • Apr 2011 bis Apr 2012 (leicht aufwärts)
  • Apr 2012 bis Sep/Okt 2012 (leicht aufwärts)
  • Sep/Okt 2012 bis ? 2013 (aufwärts)

Nach diesem Muster sollte in nicht allzu ferner Zukunft ein (starker) Abwärtszyklus folgen.

Eine zeitliche und preisliche Symmetrie ergibt sich auch durch folgendes: Die Aufwärtsbewegung seit März 2009 hat sich in zwei übergeordneten Aufstiegsphasen vollzogen. Die erste endete nach etwa 25 Monaten Ende April 2011. Danach folgte eine bis September/Oktober 2011 anhaltende Korrektur. Rechnet man von diesem Tiefpunkt weitere 25 Monate hinzu, landen wir etwa im Bereich Oktober/November diesen Jahres (vergleichen Sie die senkrechten gelben Markierungen).

Gilt die obere, „dicke“ Aufwärtslinie noch als Anziehungspunkt für die Bullen, so wäre als Ziel zum Zeitpunkt des Endes der zweiten Aufstiegsphase rund 1750 zu veranschlagen.

Dieses große Muster findet man übrigens in vielen Charts, nicht nur von Aktien. Als ein Beispiel nachfolgend der Chart des DAX. Hier wäre analog zum S&P 500 ein Bullenziel von 8800/8900 zu veranschlagen:

Bleibt als Schlusswort: Die Abwärtsrisiken für Aktien nehmen aus technischer wie fundamentaler Sicht deutlich zu, auch wenn ein Topp möglicherweise noch vor uns liegt. Der erste Zielbereich einer Korrektur wäre im S&P 500 bei 1400/1450 zu vermuten. Beim DAX käme man nach identischer Betrachtung auf zunächst rund 7400/7500. Mit den genannten Marken wäre das „Gummiband“ erreicht. Anschließend wäre die Gegenreaktion auf die Übertreibung nach oben einzuplanen.

Noch drei kluge Bemerkungen von Bob Farrell:
„Gier und Angst können einem dem Kopf vernebeln und die Perspektive rauben.“
„Übertreibungen können länger dauern als man gemeinhin denkt.“
„Wenn alle Experten und Prognosen übereinstimmen, passiert etwas anderes.“

Die gezeigten Charts werden börsentäglich auf der Startseite aktualisiert.

Mit der Frage, ob bei Aktien ein Topp in Sichtweite ist, befasst sich auch ein Beitrag, der in der aktuellen Ausgabe der Trader-Szene erschienen ist.

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