Neues vom „japanischen Experiment“

Im April hatte die japanische Regierung unter Ministerpräsident Abe das größte QE-Programm aller Zeiten angekündigt. Mit einem Umfang von 25% des BIP, bzw. 1,4 Bill. Dollar, und einer Laufzeit von zwei Jahren übertrifft es sogar alle QE-Aktivitäten der Fed. Die haben sich in den zurückliegenden vier Jahren auf vergleichsweise bescheidene 16% des US-amerikanischen BIP summiert. Würde die Fed dem japanischen Vorbild folgen, müsste sie QE-Programme im Volumen von 3,75 Bill. Dollar auflegen.

Die Abenomics genannte „neue“ japanische Wirtschaftspolitik sollte das Land aus der seit zwei Dekaden anhaltenden Deflationsspirale heraus katapultieren und der Wirtschaft einen nachhaltigen Wachstumsimpuls geben.

Neu an dieser Wirtschaftspolitik ist allerdings bestenfalls der Name und ihr Ausmaß – die Rezepte sind im Grunde nichts anderes als Keynessche Anreizpolitik. Diese mag unter bestimmten Bedingungen zeitweiliges Wachstum initieren, in einem deflationären Umfeld mit hoher Liquiditätspräferenz ist ein dauerhafter Impuls allerdings mehr als zweifelhaft.

Jetzt wurden die ersten BIP-Zahlen nach Beginn dieses „einmaligen Experiments“ gemeldet. Das japanische Bruttoinlandsprodukt ist demnach im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal nur um 0,6% angewachsen. Die bereits zuvor gesenkten Erwartungen von plus 0,9% wurden damit deutlich verfehlt.

Abe hätte es eigentlich wissen müssen: Die verschiedenen Regierungen haben in den zurückliegenden 20 Jahren bereits schon QE-Programme im Wert von zusammengerechnet rund 25% des BIP aufgelegt.

Japans Industrieproduktion ist im Juni um 3,3% gegenüber Mai zurückgegangen. Gleichzeitig ist der japanische Verbraucherpreisindex zum ersten Mal in den zurückliegenden 14 Monaten angestiegen. Der Zuwachs war zugleich der größte seit 2008, als die Rohstoffpreise auf Rekordflug waren.

Mit den Abenomics hat sich die japanische Regierung sehr weit aus dem Fenster gelegt. Ob sie bald aus selbigem fallen wird? Vieles spricht dafür, dass die Liquiditätsflut kein nachhaltiges Wachstum initiiert. Die verkrustete japanische Wirtschaft benötigt zudem gewaltige Struktureformen (siehe auch hier!).

Der Nikkei hat Mitte Mai bei 15600 ein Topp markiert und war daraufhin innerhalb von vier Wochen auf unter 12500 abgestürzt. Mittlerweile notiert der Index wieder bei 14000 und damit etwa in der Mitte der Spanne zwischen den beiden Marken, sowie innerhalb einer Dreiecksformation. Ob die Rallye nun schon beendet ist oder nach einer Konsolidierungsphase weiter geht, dürfte sich alsbald entscheiden.

Vor allem Investoren aus dem Ausland hatten den Nikkei angetrieben. In der zweiten Aprilwoche – unmittelbar nach Bekanntgabe der Beschlüsse der Notenbank, die Geldbasis in nur zwei Jahren zu verdoppeln – kauften ausländische Investoren für 1,58 Bill. Yen japanische Aktien – ein neuer Rekord. Zwischen Mitte November 2012, als sich ein Wahlsieg des jetzigen Regierungschefs Abe abzeichnete, und Mitte April haben Ausländer für rund 8,15 Bill. Yen an der Börse in Tokio eingekauft. Das machte rund 60% des Handels aus.

Das Signal, das Japan sendet, ist deutlich: Liquidität alleine schafft kein dauerhaftes Wirtschaftswachtum. Die Frage stellt sich immer drängender, was mit den teilweise überraschend guten Makrodaten (in den USA) geschieht, wenn erst die geldpolitischen Stützungsmaßnahmen reduziert werden, wie es die Fed vorhat.

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