Peter Schiff zu QE und Gold

In einem Interview nimmt Peter Schiff Stellung zur Zukunft von QE und daraus folgend zur Entwicklung bei Edelmetallen, insbesondere Gold.

Die Fed, so Schiff, lerne niemals aus ihren Fehlern. So sei es auch bei QE. Statt einzusehen, dass diese Maßnahmen die Wirtschaft nicht auf Kurs bringen, werde zu immer stärkeren Dosen gegriffen. Die Fed möchte kurzfristige Schwierigkeiten vermeiden und steuert mit QE langfristig geradewegs in den Abgrund (siehe auch hier!).

Es sei ein Bluff, wenn die Fed über eine Exit-Stragegie spreche. Wer soll die Bonds in der Bilanz der Fed kaufen? Und wenn die Fed sagt, die laufenden QE-Maßnahmen würden irgendwann reduziert, dann bedeutet das nur, dass ihre Bilanz weniger schnell wächst.

Schiff glaubt, dass statt einer Reduktion der QE-Aktivitäten eher eine Ausweitung auf der Agenda steht. Die Wirtschaft ist an QE gewöhnt, bzw. davon abhängig. Wenn eine Blase größer wird, wird immer mehr Luft gebraucht, um sie aufrecht zu erhalten. In dem Moment, wo QE aufhören würde, würde die Blase implodieren.

Je stärker aber QE ausgeweitet wird, je stärker schwellen die nationalen Schulden an. Und je stärker die Verschuldung wächst, um so mehr muss die Fed diese monetarisieren.

Der Häusermarkt gilt der Fed als Beleg für eine wirtschaftliche Erholung. Aber der einzige Grund, warum dieser Markt sich stark entwickelt liegt in QE. In dem Moment, wo QE eingestellt würde, bricht erneut eine Rezession aus. (Siehe hierzu auch: Bernanke, was ist los?)

Aktuell sind etwa 10% derjenigen, die Arbeit haben, auf Teilzeit, nur 47% der Amerikaner haben Vollzeit-Jobs. Teilzeit-Jobs ersetzen nach und nach Vollzeit-Jobs. Das führt dazu, dass eine steigende Anzahl von Leuten zwei Jobs haben. Das sind zwei Arbeitsplätze, aber nur ein Beschäftigter. Die Zahl der Arbeitsplätze steigt, die der Beschäftigten nicht.

Mehr und mehr Leute sind auf staatliche Hilfen wie Lebensmittelmarken usw. angewiesen. Das weist eher auf eine Rezession hin als auf eine Erholung. Nur die geschönten Daten der Regierung zeigen ein anderes Bild. Wenn QE aufhört, ist es damit auch vorbei.

Die Politik geht die strukturellen Probleme ebenfalls nicht an. Anscheinend, so Schiff, hoffe sie auf ein Wunder. Und der Fed wird rechtzeitig einfallen, warum QE doch nicht reduziert werden kann: Die Inflation ist zu gering, die Zinsen steigen zu schnell, Schwäche in Europa oder in China…

Da Schiff die QE-Aktivitäten eher wieder ausufern sieht, sieht er starke Chancen für einen Preisauftrieb bei Silber und Gold. Er spricht wörtlich von einer „horrific rally”. In den zurückliegenden Monaten hätten Zwangsliquidierungen spekulativer Edelmetall-Positionen viel zum Preisverfall beigetragen.

Diejenigen, die in die jüngste Edelmetall-Schwäche ihre Positionen noch ausgeweitet haben, dürften bei einem neuen Anstieg kaum bei Goldpreisen von 1500 oder 1600 Dollar verkaufen wollen.

Wenn das Momentum dreht, werde es einen starken Kaufdruck geben. Die Produktion wird längere Zeit nicht (so schnell) folgen können, u.a. auch wegen der zwischenzeitlich erfolgten Kapitulation zahlreicher Minenbetriebe.

Es sei aber schwierig einen Boden auszumachen. Das sei letztlich aber auch gleichgültig, wenn man damit rechnet, dass Gold auf 5.000 oder 10.000 Dollar steigt. Schiff ist sich sicher, dass dem so sein wird, aber er weiß nicht wann – wahrscheinlich auch weit früher als erst in zehn oder zwanzig Jahren.

Es ist dasselbe mit der Haus-Blase, so Schiff: „Ich wusste nicht genau, wann sie platzen würde. Ich wusste nur, da ist eine, ich konnte genau begründen, warum es eine ist und daher wußte ich, dass sie platzen wird.“

Früher oder später dürfte es in Zusammenhang mit der geplanten Reduzierung der QE-Aktivitäten zu einer richtigen Attacke auf den Dollar und den Treasury-Markt kommen, sagt Schiff in einem anderen Zusammenhang. Damit würde die Fähigkeit der Fed getestet, die künstlich niedrigen Zinsen beizubehalten ohne den Dollar zu zerstören. Dieser Punkt komme, aber er sei noch nicht da. Bernanke sei ohnehin schon nervös hinsichtlich der starken Reaktion der Bond- und Hypotheken-Märkte. An einem bestimmten Punkt werde er zur Schadensbegrenzung gezwungen. Es sei gut, dass Bernankes zweite Amtszeit im Januar auslaufe, er erwarte von seinem Nachfolger das Schlimmste. Schiff empfiehlt in diesem Zusammenhang, Treasurys zu shorten.

Peter Schiff ist ein US-amerikanischer Ökonom, Wirtschaftskommentator, Autor und Börsenmakler. Er ist für seine düsteren Analysen zur Zukunft der US-Wirtschaft bekannt, hat seit 2002 vor einer Subprime-Hypohekenkrise gewarnt und den Zusammenbruch des US-Hausmarktes in 2008 frühzeitig vorhergesagt. Er betreibt u.a. einen Blog.

Ich kann der Argumentation von Schiff einiges abgewinnen. Die „Märkte“, einmal von der Droge QE und Liquidität abhängig, werden die Fed nicht so einfach davon kommen lassen. Das zeigt z.B. auch die Reaktion der langfristigen Zinsen und der Hypothekenzinsen seit Mai.

Die Zeit für eine Bodenbildung bei Gold ist so schlecht nicht – auch eingedenk der Tatsache, dass signifikante Short-Positionen auf Gold im Markt liegen.

Ob das Kursziel bei Gold 5.000 oder 10.000 lautet, möchte ich allerdings nicht unterschreiben.

Ergänzung:
(18.7.13) Colin Twiggs schreibt zum aktuellen Stand bei Gold: Gold konsolidiert in einer schmalen Spanne unterhalb des Widerstands bei 1300 Dollar – ein bullisches Zeichen. Ein Ausbruch würde die Abwärtslinie durchbrechen und legt nahe, dass sich ein Boden formiert. Ein Abfall unter 1270 würde jedoch einen weiteren Test von 1200 anzeigen. Hält diese Marke als Support nicht, ergibt sich als mittelfristiges Ziel 1100.

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