Paul C. Roberts beißt in den US-Job-Bericht

In seiner aktuellen Kolumne verbeißt sich Paul Craig Roberts in den US-Arbeitsmarktbericht für Mai und kommt zu dem Schluss: Diesselbe Regierung, die hinsichtlich Massenvernichtungswaffen lügt, hinsichtlich Saddam Hussein’s al-Qaida-Verbindungen, hinsichtlich iranischer Atombewaffnung usw., sie lügt auch hinsichtlich Jobs, Arbeitslosenrate…

Die Anzahl der Jobs in der Fertigungsindustrie habe um 4000 abgenommen, aber die “New Economy” habe 179.000 Dienstleistungsjobs geschaffen, stellt er fest. Wenn wir dem Arbeitsmarktbericht glauben und die neu geschaffenen Arbeitsplätze nicht einfach das Produkt einer falschen saisonalen Angleichung und eines fehlerhaften Bevölkerungsmodells sind, so fragt Roberts, warum ist die Finanzpresse dann so glücklich, dass die US-Wirtschaft nur Jobs in der Dritten Welt schaffen kann? Warum steigt der Aktienmarkt dann? Würden rationale Märkte bei solch entmutigenden Neuigkeiten steigen?

Roberts zweifelt: Warum wurden bei flachen Einzelhandelsumsätzen im Handel 35.600 neue Jobs geschaffen? Warum stieg die Zahl der Kellner und Barkeeper um 38.100 bei gleichzeitig sinkenden realen Median-Einkommen?

So lange er zurückdenken kann, würde jeden Monat über zahlreiche neue Jobs bei Kellnern und Barkeepern berichtet und das trotz langfristig sinkenden realen Median-Einkommen. Die USA hätten nun mehr Hotel-Bedienstete, Barkeeper und Kellner als Arbeitskräfte in der Fertigungsindustrie, sagt Roberts. Und sie haben doppelt so viele bei der Regierung wie in der Fertigung Beschäftigte.

Die Dienstleistungen von Hotels, Gaststätten und Regierung können nicht exportiert werden. Daher bleibt das US-Handelsbilanzdefizit hoch und das sei angesichts fehlender Exporte, die es reduzieren könnten, eine Krise in sich selbst.

Roberts fragt weiter: Wo sind die Jobs für die Hochschul-Abgänger? Sind diese neu geschaffenen Arbeitsplätze die hoch-bezahlten Innvoations-Jobs, die die Volkswirte als Lohn der Globalisierung versprechen? Nein, sagt er, das sind die schlecht bezahlten Jobs eines Lands der Dritten Welt.

Seit einer Dekade sei das das Arbeitsplatzprofil der leistungsfähigsten Volkswirtschaft der Welt. Die Jobs, die die USA zur beherrschenden Ökonomie gemacht haben, sind alle ins Ausland verlagert worden, weil die Unternehmen dem Druck von Wall Street ausgesetzt sind, ihre Profite zu steigern. Der Job-Report für Mai zeige einmal mehr, dass sich die USA in einer Krise befindet, in einer Todes-Spirale.

Roberts schlägt im weiteren Verlauf seines Artikels einen weiten Bogen über die US-Politik insgesamt und die zunehmende Bespitzelung der Bevölkerung („data mining“) zum Verfahren gegen Bradley Manning wegen militärischen Geheimnisverrats.

Er schließt mit den Worten: „Das Amerika von heute hat mehr gemeinsam Nazi-Deutschland als mit dem Amerika, in dem ich aufgewachsen bin. Die jungen Leute kennen nichts anderes. Aber die in meinem Alter realisieren, dass wir unser Land verloren haben. Amerika hat zu existieren aufgehört.“

Paul Craig Roberts war in seinem aktiven Berufsleben u.a. “former Assistant Secretary of the Treasury for Economic Policy” und “associate editor of the Wall Street Journal”. Mittlerweile ist er gegen (fast) alles. Man mag seine Schlussfolgerungen nicht unbedingt teilen, aber er ist üblicherweise gut informiert.

Im Vergleich zum Arbeitsmarkt in der Eurozone macht der in den USA allerdings einen geradezu kerngesunden Eindruck. Im Vergleich…

Nachtrag:
(9.6.13) Der Wohlstandsverlust, den die amerikanischen Haushalte in der Rezession erlitten haben, wird in einem Bericht der Federal Reserve Bank von St. Louis auf 16 Bill. Dollar geschätzt wird. Trotz stimulierender Fiskal- und expansiver Geldpolitik konnten bis jetzt davon 45%, also weniger als die Hälfte, zurückgewonnen werden. “Der Schluss, dass der finanzielle Schaden, den Krise und Rezession angerichtet haben, weitgehend repariert wurde, ist nicht gerechtfertigt,” heisst es in dem Bericht.

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