Je schlechter, desto besser

In den zurückliegenden Tagen gab es einmal mehr reihenweise schlechte Makronachrichten. So fiel der amerikanische ISM-Index schwächer aus als erwartet und notiert nur noch knapp über der Schwelle von 50. Das chinesische BIP kam schwächer herein als erwartet, die schwache Exportseite reflektiert die Rezession in Europa und die schwache Erholung in den USA. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone eilt von Rekord zu Rekord, die Schaffung neuer Jobs in den USA scheint zu erlahmen.

Besonders beeindruckt zeigten sich die Finanzmärkte jedoch nicht. Fast gilt das Umgekehrte: Je schlechter sich die makroökonomische Verfassung zeigt, je stärker ist die Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungen der großen Zentralbanken. Dass das realwirtschaftlich bei dem erreichten Zinsniveau keinerlei stimulierenden Effekt hat, ist völlig uninteressant. Hauptsache, der Strom billigen Geldes reißt nicht ab.

Die Fed hat in dieser Woche in Aussicht gestellt, ihre QE-Maßnahmen, falls erforderlich noch auszuweiten, einen Tag später senkt die EZB ihre Zinsen und verlängert Liquiditätsprogramme. Zusätzlich werden negative Zinsen für Einlagen bei der EZB in Aussicht gestellt. Nachdem die niedrigen Zinsen und die Geldflut insbesondere in der Peripherie der Eurozone nur unzureichend in Form günstiger Kredite in der Realwirtschaft angekommen sind, erhofft man sich, den Euro durch solche negativen Einlage-Zinsen unter Druck zu bringen. Über den Umweg der dadurch verbesserten Wettbewerbssituation auf den Weltmärkten soll die Realwirtschaft gestützt werden.

Letztlich zielt die Politik der Geldflut auf das Bankensystem. Nachdem Anleihekurse luftige Höhen erreicht haben und mit den Renditen kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist (schon gar nicht bei Betrachtung des realen Ergebnisses) werden die Aktienkurse „hochgeleiert“, um den Finanzinstituten Gewinnmöglichkeiten zu verschaffen. Die publizistische Begleitmusik suggeriert der breiten Masse, dass dort noch Geld zu verdienen ist. Die soll schließlich am Ende gierig die Hände aufhalten, wenn die Musik stoppt.

Mit einem freien Spiel der (Markt-)Kräfte hat das alles schon lange nichts mehr zu tun. Es handelt sich um Planwirtschaft der besonderen Art. Die Finanzmärkte hängen am Tropf der Notenbanken, kursbewegend sind einzig die Aussichten auf noch mehr Liquidität. Draghi, Bernanke, Kuroda usw. ziehen mit einem lustigen Lied vorweg und alles folgt.

Ein solcherlei blindes Vertrauen in die Zauberkräfte der Notenbanken kann auf lange Sicht nur ins Verderben führen. Jede Blase platzt, egal warum sie aufgeblasen wurde. Dummerweise lässt sich der Zeitpunkt, wann dies geschieht, kaum vorhersagen.

Die Fed hat am Mittwoch auf die Gefahren von zu viel staatlichem Sparen hingewiesen und damit indirekt zu weiterer Staatsverschuldung aufgefordert. In der Eurozone scheint der Gipfel der Austeritätspolitik überschritten. Der neue italienische Ministerpräsident will das Wirtschaftswachstum betonen und Steuern senken. Die durch die Geldpolitik der BoJ aus Japan herausströmende Liquidität sucht Anlage und findet sie in der weiter zunehmenden Verschuldung der industrialisierten Länder. Das Verschuldungsrad wird weiter gedreht, auch diese Blase wird eines Tages platzen.

Eine zeitlang mag das noch gehen – fragt sich nur, wie lange.

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