EZB hält Daten über Wohlstandsverteilung zurück

Die EZB hält offenbar eine Studie über die Wohlstandsverteilung in der Eurozone zurück, berichtet die FAZ unter Berufung auf ungenannte Zentralbanker (h/t Eurointelligence). Sie soll erst nach der Entscheidung über ein Hilfsprogramm für Zypern veröffentlicht werden, weil sie Sprengstoff bietet, der ein solches Programm in Frage stellt.

Einige Zentralbanken haben Werte für ihre Land veröffentlicht. So liegt der Median-Wert privaten Vermögens z.B. in Italien bei 164.000 Euro, Österreich kommt auf 76.000 Euro. Die Bundesbank hat bisher keine aktuellen Daten veröffentlicht, sie sollen etwa auf dem Niveau von Österreich liegen, also weit unter dem Wert von Italien.

Die politische Brisanz liegt darin, dass finanziell ärmere Länder für reichere zahlen. Selbst die zwei ärmsten Länder in der Eurozone, Estland und die Slowakei, sind auf der Seite der Darlehensgeber. Der deutsche Median-Wert des Wohlstands ist wahrscheinlich auch deshalb so gering, weil hier die niedrigste Quote an Immobilieneigentum in der EU vorliegt. Der Wohlstand ist hauptsächlich in Immobobilien konzentriert. (Und kann auch wieder schnell unter die Räder kommen… siehe Spanien.)

In einem Kommentar schreibt der für Wirtschaft zuständige FAZ-Herausgeber Holger Steltzner, die EZB habe offensichtlich Angst vor Protesten in den Kreditor-Ländern, weil die Daten zeigen, dass die ärmeren Länder die reicheren heraushauen. Die Krisenbewältigungspolitik der Eurozone verteile den Reichtum von denen, die die Regeln befolgen, um zu denen, die dagegen verstoßen. Der letztliche Grund, warum die EZB die Daten zurückhält, sei, dass sie mittlerweile zu einem politischen Akteur geworden ist. Das beschädigt ihre Glaubwürdigkeit. Es wird Bezug genommen auf eine Studie der Credit Suisse, wonach Belgier, Italiener, Österreicher und Franzosen reicher sind als die Deutschen. Im Falle Frankreichs ist die Lücke wegen steigender Gehälter so groß, was das Land nun Wettbewerbsfähigkeit kostet.

Einige Ergebnisse der Studie der Credit Suisse können hier eingesehen werden.

Anmerkung:
Wer jetzt glaubt, das Verhalten der EZB seit illegal, der sei auf eine Klage der Nachrichtenagentur Bloomberg verwiesen. Die wollte die Freigabe von Dokumenten erzwingen, die belegen, dass Griechenland Derivate benutzt hat, um seinen Schuldenstand zu verschleiern. Die Nachrichtenagentur hatte im August 2010 von der EZB eine entsprechende Veröffentlichung verlangt, die EZB hatte das ablehnt. Der „General Court of the European Union“ hat im November 2012 zugunsten der EZB entschieden: “Eine Veröffentlichung dieser Dokumente hätte den Schutz des öffentlichen Interesses untergraben insoweit es die Wirtschaftspolitik der EU und Griechenlands betrifft.” Gegen das Urteil waren seinerzeit Rechtsmittel möglich, ob Bloomberg diese genutzt hat, kann ich momentan nicht sagen.

Nachtrag:
(21.3.13) Vermögensverteilung – Deutschland ist arm dran… Die FAZ sagt, die EZB hat die Daten bisher nicht publiziert, obwohl sie alle Informationen hat, und spekuliert, die EZB wolle warten bis zur Rettung Zyperns.
(15.4.13) Die Studie ist mittlerweile erschienen – lesen Sie bitte hier!

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