Aktien 2013: Was immer nötig ist…

Früher war alles ganz einfach: Die altmodischen Zentralbanker beriefen sich auf ihre Unabhängigkeit und ihr ganzes Tun und Trachten war darauf gerichtet, die Inflation in Schach zu halten. Dieser alte Typ „Zentralbanker“ wurde spätestens im September 2012 zu Grabe getragen. Auferstanden ist ein neuer Typ, modern, liberal und den Zielen populistischer Politiker zugetan.

Unabhängigkeit war gestern, die Ziele der neuen Zentralbanker laufen mit den Forderungen der stärksten Lobbys zusammen, die die ach so progressiven Politiker vor sich her treiben. Noch halten die neuen Zentralbanker die konservative Fassade aufrecht, indem sie von der Politik mittel- und langfristige Fiskal-Disziplin fordern. Aber ihre kurzfristigen Taten stehen in krassem Widerspruch zu ihren Worten. Sie fluten das Finanzsystem mit Liquidität, was der Politik den Weg ebnet, leichtfertig und schon viel zu lange eine viel zu hohe Staatsverschuldung zu fahren.

Die Fed tut alles, was nötig ist, um die Arbeitslosenquote auf 6,5% zu bringen. Die EZB tut alles, was nötig ist, um den Euro zu verteidigen. Die BoJ tut alles, was nötig ist, um die Deflation zu stoppen. Die BOE wird alles tun, was nötig ist, um eine Rezession abzuwenden. Die SNB tut alles, was nötig ist, um den Franken an Aufwertung zu hindern.

„Whatever it takes“: Alle tun alles, was nötig ist. Jede Zentralbank visiert irgendein Ziel abseits der Preisstabilität an, schreibt sich wirtschaftspolitische Ziele der jeweiligen Regierungen auf die Fahnen. Das 30 Jahre gültige Mantra niedriger und kontrollierter Preissteigerungen ist ebenso gefallen wie die Unabhängigkeit der Geldpolitik.

Nein, diese Wendung kam nicht plötzlich, ihre Wurzeln liegen sogar lange vor der Finanzkrise. Aber im September gab es mit dem OMT-Programm der EZB und der Ausgabe eines Arbeitsmarktziels durch die Fed einen qualitativen Sprung. Und jetzt es gibt kein Zurück mehr – und es will auch keiner zurück.

Am beeindruckendsten ist dabei, was die EZB erreicht hat: Mit zwei Sätzen hat EZB-Draghi im Juli 2012 die Wende eingeleitet: „Innerhalb unseres Mandats ist die EZB bereit, alles zu tun, was nötig ist, den Euro zu retten. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“ Fortan sanken die Renditen der Euro-Krisenländer, so dass heute wie vor 2008 erneut von einer Konvergenz der Renditen im Euro-Raum gesprochen werden kann. Das Verrückteste dabei ist, dass dieses Versprechen der EZB bis jetzt keine „müde Mark“ gekostet hat, wie man in der „guten alten Zeit“ sagte. Die EZB-Bilanz hat sich gegenüber der Jahresmitte 2012 sogar leicht verkürzt.

Wenn die Notenbanken sich immer mehr in die Rolle hineinspielen, die besseren Politiker sein zu wollen, es schon richten, alles tun, was nötig ist und alle Unbill von den Wirtschaftssubjekten fern halten, dann dürften immer mehr Anlager geneigt sein, sich in die Herde derer einzureihen, die sich genau darauf verlassen. Das gäbe den Anstoss zu einem Bull-Markt, der wegen der umlaufenden gigantischen Liquidität alles bisher dagewesene in den Schatten stellen kann.

Das Ende eines solchen Bull-Marktes kommt dann in Sicht, wenn sich die letzten kleinen Privatanleger dem Zug der Bullen angeschlossen haben. Bis dahin, dass aus den Bullen Lemminge werden, ist es noch ein gutes Stück. Wie schnell es aber dennoch gehen kann, zeigt der Zufluss in US-Aktienfonds in der ersten vollen Woche des neuen Jahres. Mit 18,3 Mrd. Dollar war es vierthöchste Zufluss seit 1992, dem Beginn der Aufzeichungen und der höchste Zufluss seit 2001. Mehr als die Hälfte ging in ETFs.

Ein Hinweis auf einen extremen Bull-Markt liefert auch der Dow Jones Tranportation Sektor. Er ist dynamisch ausgebrochen und steht jetzt im Bereich seines Allzeithochs. Das spiegelt Optimismus hinsichtlich einer Branche wider, die von der Belebung des Handels im Zuge einer globalisierten Arbeitsteilung besonders profitiert.

Wenn Scharen von Privatanlegern aus Sparformen mit negativer Verzinsung flüchten und sich der Herde derer anschließen, die in riskantere Anlagen hineindrängen, dürften die Banken von dieser Entwicklung überdurchschnittlich profitieren. Ein ETF auf Banken im EuroStoxx50 zeigt: Der Kurs ist aus einem seit Februar 2010 etablierten Abwärtskanals ausgebrochen.

Wie sagte EZB-Draghi vor einigen Tagen so schön? “…lassen Sie uns eines nicht vergessen. Wir sprechen viel über Ansteckung, wenn die Dinge schlecht laufen, aber ich glaube, es gibt auch Ansteckung, positive Ansteckung, wenn sich Dinge gut entwickeln. Und ich denke, das ist jetzt der Fall. Es gibt positive Ansteckung.”

Herdentrieb ist ansteckend. Und Notenbanken wie Politik tun gegenwärtig alles, damit es zu einer Epidemie kommt.

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