Halbleiter: Wenig Wachstum voraus

Die World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) hat ihre Prognose für den Halbleitermarkt aktualisiert. Der Umsatz soll in 2012 auf 290 Mrd. Dollar kommen, 3,2% weniger als 2011. 2013 soll zunächst schwach beginnen, für das Gesamtjahr wird ein Wachstum um 4,5% auf 303 Mrd. Dollar vorhergesagt. 2014 soll es dann noch einmal einen Zuwachs von 5,2% auf 319 Mrd. Dollar geben.

Die Region Asien/Pazifik baut ihren Platz als umsatzstärkste Region in 2012 mit mittlerweile über 56% Marktanteil deutlich aus, auf China entfällt davon knapp die Hälfte. Der Anteil Amerikas steigt 2012 marginal an, ebenso der Anteil Japans. Europa, die kleinste Region im globalen Halbleitermarkt, verzeichnet den stärksten Rückgang ihres Marktanteils.

Die in Aussicht gestellten Zuwachsraten sind zwar verglichen mit den zu erwartenden Zuwächsen der Weltwirtschaft noch „ordentlich“, aber bezogen auf die Historie der Halbleiterundustrie doch eher „bescheiden“. Wir kommen weiter unten darauf zurück.

Der deutsche Halbleitermarkt wird in diesem Jahr um vier Prozent auf zehn Mrd. Euro zurückgehen, schreibt der ZVEI-Fachverband „Electronic Components and Systems“. Für das kommende Jahr erwartet der ZVEI ein Wachstum von einem Prozent. 2011 war der deutsche Halbleitermarkt um knapp ein Prozent auf 10,41 Mrd. Euro angewachsen. 2010 lag der Umsatz bei 10,32 Mrd. Euro, in 2009 war der Markt im Gefolge der Finanzkrise extrem eingebrochen.

Der europäische Halbleitermarkt schrumpft im laufenden Jahr um elf Prozent auf 33,4 Mrd. Dollar Umsatz. Im Jahr 2013 wird der europäische Halbleitermarkt mit einem Prozent Wachstum gleich stark wie der deutsche Markt gesehen, schätzt der ZVEI.

Die Automobilelektronik ist mittlerweile das größte Marktsegment in Deutschland für elektronische Komponenten. Sie hat ihren Anteil zwischen 2001 und 2011 von 26% auf 40% ausgebaut. Der Marktanteil der Industrieelektronik ist im gleichen Zeitraum von 17% auf 25% gestiegen. Die Datentechnik war im Jahr 2001 mit 28% Marktanteil das größte deutsche Segment. Jetzt liegt sie mit 25% auf Platz drei. Die Kommunikationselektronik hat ihren Anteil im selben Zeitraum von 24% auf 8% abgebaut. Das kleinste Segment, die Konsumelektronik, kommt mittlerweile gerade noch auf zwei Prozent.

Die europäische Autoabsatz-Krise schreckt die Chipbranche nicht. Auch wenn weniger Fahrzeuge produziert werden, kann der Absatz bei Halbleitern weiter steigen. Die Zahl der Steuergeräte im Auto steigt, der Anteil der Halbleiter in diesen Steuerungen nimmt ebenfalls zu. In 2000 wurde pro Fahrzeug durchschnittlich Mikroelektronik im Wert von 155 Dollar verbaut, 2011 war es mehr als doppelt so viel, nämlich 320 Dollar. Der Trend ist ungebrochen: Laut ZVEI werden künftig in jedem Auto Halbleiter für durchschnittlich mindestens 400 Dollar verbaut. Bei Luxusautos kommt die verbaute Mikroelektronik schon heute auf 1.000 Dollar und mehr.

Dass die schlechtere Entwicklung in Deutschland und Europa auch mit der Krise der Eurozone zusammenhängt, liegt auf der Hand.

IC Insights hat in seinem aktuellen „McClean Report“ die Trends der Halbleiterindustrie untersucht. Die kumulierten durchschnittlichen Wachstumsraten in einem rollenden zehn-Jahres-Fenster zeigen bis 2010 konsistent abwärts. Das Zeitfenster 2001/2011 zeigt eine deutliche Belebung, was einerseits an dem Crack-up-Boom nach 2009 und andererseits an dem starken Umsatzeinbruch zu Beginn des neuen Jahrtausends liegt. Die Wachstumsraten sollen nach Berechnungen von IC Insights in den nächsten Jahren eher wieder sinken.

Der Umsatz je Wafer hatte Mitte der 1990er Jahre eine ausgeprägte Spitze. Seitdem sinkt er, seit 2007 sogar unter das gemittelte jährliche Wachstum von zwei Prozent.

Angesichts dieser Entwicklung steht die Minimierung der Kosten oben an, um profitabel zu bleiben. Vor die Wahl gestellt, zu sparen oder in modernste Fertigungstechnologie zu investieren, neigen die meisten Unternehmen mittlerweile zur ersten Alternative, schreibt IC Insights. Die Investitionskosten steigen mit jedem Technologiesprung dramatisch an, das können sich nur noch wenige große Anbieter leisten. Und so ist davon auszugehen, dass die Schere zwischen den Chipherstellern immer weiter aufgeht, gleichzeitig gewinnen Geschäftsmodelle ohne eigene Fertigung an Bedeutung.

Die Halbleiterindustrie zeigt alle Kennzeichen einer reifen Industrie. Die Wachstumsraten sinken, die Kapitalkosten steigen, der Markt ist immer weniger Technologie- und Anbieter-getrieben. Der Halbleiterboom vor 2000 dürfte dabei die entscheidende Zäsur im Halbleitergeschäft eingeläutet haben.

Das spiegelt der US-Halbleiter-Aktienindex SOX sehr schön wider, gleichzeitig ist sein Verlauf ein Sinnbild für die seinerzeitige Technologieblase.

Ein wichtiger Pegel liegt bei rund 415. Sollte der SOX diesen überwinden, würde sich das langfristige Bild der Halbleiterbranche aus Sicht von Aktieninvestoren deutlich aufhellen.

Nachtrag:
(14.12.12) Das Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet für 2013 einen weltweiten Umsatz mit Halbleitern von 311 Mrd. Dollar. Im dritten Quartal war man noch davon ausgegangen, dass dann 330 Mrd. umgesetzt werden. Gleichzeitig wird die damalige Prognose für 2012 nach unten revidiert – jetzt wird ein Volumen von 298 Mrd. Dollar erwartet, 3% weniger als im Vorjahr.
Zur Begründung heißt es, die drohende Fiskalklippe, die Schuldenkrise in Europa, das langsamere Wachstum in Schwellenländern und regionale Faktoren würden den Ausblick belasten.
Zudem hätten sich in 2012 die Preise für DRAMs nicht so entwickelt wie erwartet; der hochvolatile DRAM-Markt werde sich frühestens im zweiten Halbjahr 2013 erholen und sich als Wendepunkt für die gesamte Halbleiterbranche erweisen, heißt es. Dann könnte der Markt in 2014 sogar um 9,9% zulegen und auf ein Volumen von 342 Mrd. Dollar kommen.

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