USA und Europa: Stark verflochten

Überall wird hysterisch an die Wand gemalt, was geschieht, wenn die USA ihre „fiskalische Klippe“ nicht umschiffen können. Dabei geht es um den Effekt von Einsparungen im Staatshaushalt in Höhe von 600 Mrd. Dollar (eine Summe, die sich der Staat erst noch leihen müsste). Und es geht um (längst fällige) Steuererhöhungen. Wenn beides zuschlägt, kommt es zu einer Rezession, heißt es überall. (Anderenfalls womöglich auch…)

Die andere große Gefahr, die US-Beobachter für ihre Konjunktur sehen, ist die Eurokrise. Wie stark ist die Abhängigkeit der USA von der Eurozone, fragt z.B. Aaron Menenberg auf Economonitor und nennt Zahlen.

Europa kommt auf rund 55% aller US-Auslandsinvestitionen. China im Gegenzug kommt nur auf 1,3%. Zwischen 1990 und 2009 haben US-Unternehmen mehr Kapital nach Irland und Spanien geschafft als nach China.

Die globalen ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich in 2009 auf 18 Bill. Dollar, die ausländischen Umsätze erreichten seinerzeit fast 30 Bill. Dollar. Dagegen sind die etwa 16 Bill. Dollar an Exporten vergleichsweise gering. Damit sind die ersten beiden Posten ein besseres Maß für gegenseitige Abhängigkeit als der grenzüberschreitende Handel.

Die USA und Europa kommen zusammen auf fast 58%, bzw. fast 73% der globalen ausländischen Direktinvestitionen. Der europäische Markt ist der größte Auslandsmarkt der USA mit fast 54% der Auslandsumsätze. Das gilt auch umgekehrt: Europa hat in der zurückliegenden Dekade mehr als zwei Drittel seiner ausländischen Direktinvestitionen in den USA lanciert.

Die Ausrichtung der US-Banken nach Europa ist ein weiterer Stolperstein. Zwar sind US-Bankkredite nach Griechenland und Portugal, auch nach Spanien begrenzt, aber hinsichtlich Frankreich, Deutschland und Großbritannien sieht das ganz anders aus. Die Banken dieser Länder sind wiederum in Griechenland, Portugal und Spanien stark engagiert.

So weit zur (gegenseitigen) Verflechtung. Wie weit ist die negative, für die US-Wirtschaft möglicherweise bedrohliche Entwicklung in der Eurozone vorangeschritten?

Der Peak in der Entwicklung des BIP der Eurozone im dritten Quartal 2011 liegt immer noch rund 2% unter der davor erreichten Spitze (in Q1 2008). Mit dem Schlussquartal 2011 haben sich Schlüssel-Makrodaten in der Eurozone nachhaltig zu verschlechtern begonnen, wie etwa der private Verbrauch, die Investitionen, die Beschäftigung oder die Kreditvergabe.

Menenberg bemängelt, dass Frankreich jetzt ebenfalls in den Austeritäts-Ring steigt und in 2013 2% des BIP einsparen will. Und Spanien traut sich nicht, in Brüssel einen Bailout-Antrag zu stellen, weil befürchtet wird, dass dem Land z.B. von Deutschland noch härte Sparauflagen abgerungen werden, schreibt er.

Nun scheinen auch die Kernländer der Eurozone allmählich unter Druck zu kommen. Das niederländische BIP ist im dritten Quartal um 1,1% geschrumpft, Finnland und Österreich zeigen Schwäche und auch Deutschland hat sein Wachstum in 2012 sukzessive verlangsamt von 0,5% über 0,3% auf 0,2% Quartalswachstum. Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist im Oktober auf ein historisches Hoch bei 11,7% gestiegen. Die OECD geht davon aus, dass das BIP der Eurozone in 2013 um 0,1% schrumpfen wird; im Mai war man noch von einem Plus bei 0,9% ausgegangen. Ob die jetzt erfolgte Abwärtsrevision der Perspektiven der Eurozone die letzte war, muss sich noch zeigen. Andere Analysten sind deutlich pessimistischer.

Die Abhängigkeit der USA und Europa ist gegenseitig und sie ist auf vielen Ebenen bedeutend, wie die Zahlen zeigen. Menenberg geht von der US-zentrierten Sicht aus. Genauso gilt: Fallen die USA von ihrer Klippe oder bricht dort aus anderen Gründen eine Rezession aus, tangiert das den Rest der Welt und insbesondere Europa ebenfalls.

Die OECD hat in ihrem jüngsten Economic Outlook zu quantifizieren versucht, welche Auswirkungen ein Euro-Schock mit eskalierendem Stress im Staats- und Bankenbereich hat. Danach würde das globale BIP-Wachstum in 2013 um 0,7% tangiert, 2014 sollen es 1,4% sein. Die USA hätten lediglich 0,3%, bzw. 0,5% zu vergegenwärtigen.

Siehe auch OECD: „Gloomy“!

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