Frankreich: Unbemerktes Risiko?

Alle reden von den PIIGS, wenige reden von Frankreich. Wir hatten hier schon einmal kurz die Situation angerissen und wollen das im folgenden vertiefen.

Der PMI-Index von Markit für die französische Industrie notiert im November bei 44,5, nach 43,7 im Oktober. Nur der von Griechenland steht in der Eurozone mit 41,8 noch tiefer. Jack Kennedy, Senior Economist bei Markit, sagt: „Der französische Fertigungssektor bleibt im Griff eine scharfen Abschwungs. Die neuen Aufträge nehmen weiter ab, v.a. wegen schwacher inländischer Nachfrage. Unternehmen fahren die Beschäftigung, Einkauf und Lagerbestände zurück. Damit machen sie deutlich, dass die Bedingungen in näherer Zukunft schwierig bleiben.“

Frankreich ist die fünft-größte Wirtschaftsnation der Welt und die zweitgrößte der Eurozone. Seit Beginn der Währungsunion hat Frankreich ein Drittel seines Weltmarktanteils eingebüßt. Zwischen 2005 und 2010 sank der Anteil der französischen Exporte um fast 20%. In der Eurozone war nur Griechenland noch schlechter. Nach World Bank liegt Frankreich in 2012 auf Platz 34 (nach der „Doing Business“ Hit-Liste). Der hohe Staatsanteil und die geringe Bereitschaft der Regierung für Reformen am Arbeitsmarkt prägen das Bild, das Analysten fokussieren.

Der Verlauf des BIP hält sich seit 18 Monaten knapp über Null.

Die Lohnstückkosten steigen seit der Jahrtausendwende kontinuierlich an, seit 1999 um über 30%.

Pro Monat werden gegenwärtig 40.000 Stellen abgebaut, die Arbeitslosigkeit liegt über 10%.

Die Produktivität lag vor dem Ausbruch der Finanzkrise stets klar über 90 Indexpunkte, seither klar darunter, aktuell bei gut 85.

Die Industrieproduktion schrumpft seit Jahresbeginn.

Die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert – von einem Überschuss von 2,6% des BIP zu einem Defizit von zuletzt rund 2%. Im Durchschnitt der jüngsten drei Jahre weist Frankreich das höchste Leistungsbilanzdefizit der Kernländer der Eurozone auf.

Die französische Schuldenquote steigt kontinuierlich an.

Die französische Staatsquote ist die zweithöchste in der EU (Quelle: Statista)

Passt zu alldem eine Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen, die im Bereich ihres Allzeittiefs notiert?

Wenn es darum geht, Risiken zu identifizieren, die die „Märkte“, warum auch immer, nicht auf dem Radar haben – Frankreich gehört dazu.

Nachtrag:
(20.12.12) Die französische Wirtschaft ist nach Einschätzung des nationalen Statistikamts in 2012 lediglich um 0,1% gewachsen. Die Regierung hatte ein Wachstum von 0,3% erwartet. 2011 war die französische Wirtschaft um 1,7% gewachsen.
Im vierten Quartal schrumpfte Europas zweitgrößte Volkswirtschaft um 0,2%. Für die ersten beiden Quartale 2013 sei mit einem Plus von jeweils 0,1% zu rechnen, heißt es.

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