Eurokrise? War gestern…

Die Finanzminister der Eurozone haben gestern 39,5 Mrd. Euro an Hilfen für das spanische Bankensystem bewilligt. Der entsprechende Antrag Spaniens war kurz zuvor eingegangen. Verwundert hat daran nur die Höhe. Im September hatte ein Gutachten unabhängiger Berater eine Summe von 60 Mrd. Euro ergeben, die unmittelbar erforderlich sei, um das spanische Bankensystem zu rekapitalisieren.

Im Juni hatten die Finanzminister einen Rahmen von bis zu 100 Mrd. Euro bewilligt, um die spanischen Banken zu stützen, denen das Platzen der Hauspreisblase im Land zu schaffen macht.

Im Juni waren 9,42%, bzw. 164,36 Mrd. Euro der insgesamt ausstehenden spanischen Bankkredite „faul“ („bad loans“). Zuletzt war der Anteil sogar auf 10,71% angestiegen. Rechnet man damit, dass auch nur die Hälfte dieser notleidenden Kredite nicht einzubringen sind, wäre schnell ein Betrag von 100 Mrd. Euro erreicht, der von Banken benötigt würde, um sie vor einer Pleite zu bewahren.

Eine weitere „gute Nachricht“: Der in der zurückliegenden Woche beschlossene Rückkauf von griechischen Bonds nimmt Formen an. 20 verschiedene Bonds mit einem Volumen von insgesamt 61,4 Mrd. Euro stehen zum Rückkauf an. Griechenland hat hierfür 10 Mrd. Euro zur Verfügung. Angebote werden bis Freitag Abend entgegen genommen. Man erwartet bei Hedge-Fonds eine Beteiligung von 60 bis 70%. Sie halten etwa 21 Mrd. Euro an Bonds, die sie nach dem Haircut privater Investoren im Frühjahr zwischen 11 und 17 Cent gekauft haben. Der Preisbereich, zu dem die Bonds zurückgekauft werden, soll 4 bis 10% über den Kursen von 23. November liegen – das ist besser als erwartet worden war. Und kein schlechtes Geschäft für so manchen Hedge-Fonds – bis zu 200% Gewinn in weniger als neun Monaten.

Die „Märkte“ kamen ob der guten Nachricht, dass Madrid einen Hilfsantrag stellt, und der Nachricht vom anlaufenden griechischen Rückkaufprogramm in Feierstimmung. Die Renditen der PIIGS-Länder sanken, die Zinsen der zehn-jährigen Staatsverschuldung Spanien erreichten mit 5,25% ein acht-Monats-Tief.

Das Krisenmetall Gold hingegen wurde verkauft. Es notiert jetzt im Bereich einer wichtigen Unterstützung.

Die Frage ist, wie lange die Selbst-Illusionierung dieses Mal anhält. Lesenswert hierzu (h/t Eurointelligence) der Eintrag im Blog von Yanis Varoufakis, einem griechischen Ökonomen, der die jüngste Vereinbarung der Eurozone hinsichtlich Griechenland als gemeinsamen Versuch aller Betroffenen bezeichnet, sich über verschiedene Wahrheiten hinwegzutäuschen.

Also sollte die Überschrift ergänzt werden: „Eurokrise? War gestern… – und ist morgen wieder“.

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