Euro schon wieder zu stark?

Das OMT-Programm der EZB hat zu einer paradoxen Situation geführt. Nachdem Draghi sein Versprechen, er werde den Euro retten, in die Tat umgesetzt hatte (zumindest so, wie er es versteht), zeigt der Euro Stärke. Dummerweise ist das aber genau das, was die Eurozone neben allem möglichen anderen (z.B. in Brüssel) auch nicht brauchen kann. Denn wenn schon die Verhältnisse innerhalb des Gebiets der gemeinsamen Währung problematisch sind, so würde ein schwacher Euro die Lage dadurch verbessern, dass die Produkte und Dienstleistung der Eurozone auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger werden.

Was sind überhaupt Pegel etwa im Verhältnis Euro zu Dollar, die darüber entscheiden, ob die Eurozone da draußen wettbewerbsfähig ist? Athanasios Vamvakidis, Bank of America Merrill Lynch, sieht den Gleichgewichtskurs zwischen beiden Währungen bei 1,25. Mit anderen Worten und vereinfacht: Unterhalb beginnen die Wettbewerbsvorteile des Eurozone, oberhalb die der USA. Signifikant wird das dann, wenn der Euro 10 Prozent und mehr über diesem Pegel liegt, sagt der Verfasser. Betrachtet man die Peripherie der Eurozone alleine, so liegt der Gleichgewichtskurs bei 1,10. Um wirklich wettbewerbsfähig zu sein, müsste für die PIIGS die Parität unterschritten werden.

Andere Beobachter kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. So sieht Jens Nordvig von Nomura den Gleichgewichtskurs ohne Risiko-Abschlag bei 1,35, mit jedoch jetzt (nach OMT) eher bei 1,27. Ohne OMT hat er rund 1,20 veranschlagt, so wie der Kurs z.B. Anfang Mai stand.

Wirft man einen Blick auf den Chart Euro/Dollar, so kann man erkennen, dass 1,25 ein durchaus relevanter Pegel ist. Nach der EZB-Entscheidung für OMT konnte sich die Kurve von dieser Region lösen und innerhalb weniger Tage auch eine Abwärtslinie aus Mai 2011 überspringen. Aktuell wird diese von oben „angeschaut“.

Die EZB hat mit OMT für kurzfristigen Optimismus gesorgt und so ausländisches Kapital nach Europa eingeladen. Der dadurch gefestigte Euro läuft aber dem eigentlichen Interesse der EZB zuwider. Die EZB muss sogar die Zentralbank sein, die im globalen Vergleich das größte Interesse hat, die eigene Währung zu schwächen. Im Grunde hat die Fed natürlich dasselbe Interesse, aber sie hat mehr zumindest zeitlichen Spielraum. Der Dritte im Bunde ist China. Auch dieses Land muss im Interesse der eigenen Exportindustrie dafür sorgen, dass die eigene Währung schwach ist. Und schließlich das exportlastige Japan…

Sehen wir mit weiter nachlassenden Wachstumsimpulsen wie sie die heute veröffenlichten Flash-PMIs andeuten, einen neuen Abwertungswettlauf? Markit titelt: „Stärkster Rückgang der Eurozone-Wirtschaftsleistung im September seit Juni 2009 trotz abgeschwächter Talfahrt in Deutschland“ mit dem stärksten Job-Abbau seit 2010.

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