Euro: Eurokrise beendet?

Ende Juli machte sich EZB-Draghi für den Euro stark und sagte in London: “Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir – es wird ausreichen.”

Der Euro reagierte damals gegen den Dollar umgehend mit einem kräftigen Sprung nach oben, nachdem er kurz zuvor bei 1,2064 so tief geschlossen hatte wie seit Anfang Juni 2010 nicht mehr, als die Griechenland-Krise zum ersten Mal aufflammte.

Einen kurzen Fehldurchbruch unterstellt, lässt sich im Chart ein Bull-Keil einzeichnen (grüne Abwärtslinien), der am 3. August mit einem starken Sprung verlassen wurde. Es folgte ein erneuter Test des Keils von oben, mittlerweile lässt sich (als Arbeits-Hypothese) ein Trend-Kanal zeichnen, dessen aufwärts gerichtete Steigung allerdings relativ schwach ausgeprägt ist.

Die „Gegenprobe“: Der Dollar-Index läuft seit der zweiten Juli-Hälfte in einem Abwärtskanal (rote Linien). Allerdings besteht gegenwärtig auch (noch) die Möglichkeit, dass sich ein Bull-Keil formiert. In diesem Sinn ist gegenwärtig das Niveau von 81,80 kritisch: Sollte es (täglich leicht sinkend) respektiert werden, gewinnt diese Möglichkeit an Gewicht.

Nachdem Euro/Dollar gestern den Pegel ~1,2440 (Tief aus November 2008) überwinden konnte, steht jetzt als nächster Widerstand 1,2520 an, das Tief von Anfang März 2009, als die Finanzmärkte nach dem offenen Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 wieder Tritt zu fassen begannen.

Die Erwartungen im Vorfeld der Zinssitzung der EZB am 6. September sind sehr hoch geschraubt worden – nicht zuletzt durch Draghi selbst. Auch unsere Frau Merkel hatte nach dessen Londoner Äußerung Unterstützung für dessen Kurs signalisiert und damit Bundesbank-Präsident Weidmann mit dessen Opposition gegen umfassende Bond-Käufe im Regen stehen lassen. Für ihn gab es keinen Schirm in der sonst so Schirm-reichen Eurozone.

Der charttechnische „Kommentar“ von Euro und Dollar ist gegenwärtig hinsichtlich des möglichen Endes der Eurokrise von der Art: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Ein für den Euro bullischeres Szenario würde sich erst ergeben, wenn entweder der Widerstand bei ~1,2650 gegen Dollar dynamisch gebrochen wird, oder wenn nach einem nochmaligen Test des Niveaus von 1,20+ (evtl. schon ~1,2180) ein Doppel-Boden entsteht.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Rücksetzer im Euro/Dollar, bzw. für eine nochmalige Aufwärtsorientierung im Dollar-Index Richtung ~83,50/84,00, erscheint mir aktuell größer (~2:1). Ein Durchbruch von Euro/Dollar durch ~1,20, bzw. durch das Tief aus Juni 2010 (EoD ~1,1930), ein sehr finsteres Signal für den Fortgang der Eurokrise, ist aktuell weniger wahrscheinlich.

Charts von Incrediblecharts

Nachtrag:
(23.8.12) Der obige Artikel war gegen 14:00 eingestellt worden. Um 20:00 MEZ wurde das Protokoll der jüngsten FOMC-Sitzung veröffentlicht. Daraus war ersichtlich, dass sich die Fed ausführlich mit dem Thema weiterer geldpolitischer Lockerungen beschäftigt hat. Das könnte „fairly soon“ geschehen, wenn die Wirtschaft sich nicht merklich verbessert, so der Konsens. Euro/Dollar bekam sofort einen Schub nach oben – EoD oberhalb des Pegels ~1,2520. Der Dollar fiel gegen Yen stark ab, der Dollar-Index sank unter 81,80. TBonds waren stark gesucht. Bei Aktien wurden frühe Verluste abgebaut, der NDX schaffte eine kleinen Tagesgewinn, blieb aber unter seinem mehr-Jahres-Hoch bei ~2785. Akteure im Aktienhandel warfen die Frage auf, ob die jüngste Verbesserung von Makrodaten in diesem Sinne eine „merkliche Verbesserung“ darstellt und somit QE erst einmal ausfällt. Schlüssel für die Fed ist dabei der Arbeitsmarkt, sagen Beobachter.

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