USA – Rekorde in jeder Hinsicht

Vor einigen Tagen hat die amerikanische Internet-Seite „Businessinsider“ einige sehr bezeichnende Charts zum Zustand der US-Wirtschaft zusammengestellt.

Die Unternehmensgewinne nach Steuern („corporate profit“ – CP) als Anteil vom BIP („GDP“) sind auf Allzeit-Hoch.

Gleichzeitig ist der Anteil der Löhne am BIP so niedrig wie noch nie.

Einer der Gründe für diesen Zustand ist, dass der Anteil der zivilen Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung mit unter 59% so niedrig ist wie vor dreißig Jahren (vor 2000 lag er bei knapp 65%). Bei gleichzeitig angewachsenem realen BIP liegt die Erklärung hierfür in der gestiegenen Produktivität.

Die Ungleichheit der Einkommensverteilung liegt nahe Rekord-Hoch, die Armutsrate ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich angewachsen und liegt mittlerweile wieder wie in den frühen 1980er Jahren bei 15%.

Das hat dazu beigetragen, dass sich die gesamten Transferzahlungen („transfer payments“ – PCTR) aktuell auf den Rekordwert von fast 16% des BIP („GDP“) summieren.

Die Ausgaben für soziale Programme („social program spending“ – rot) sind in den zurückliegenden Jahren so stark gestiegen, dass sie fast die gesamten bundesstaatlichen Steuereinnahmen auffressen („federal tax revenue“ – blau).

Die Staatsausgaben für Verteidigung, Verkehr, Infrastruktur, Raumfahrt, Gehälter usw. (FGEXPND – rot) belaufen sich lediglich auf rund 60% der Ausgaben für soziale Programme (PCTR-blau). Nur ein kleiner Teil der Staatsausgaben wird investiert, der Rest sind laufende Ausgaben ohne materiellen „Gegenwert“. Da im erst genannten Posten Gehälter enthalten sind, schätze ich diesen Anteil auf deutlich unter 30%.

Die Schere zwischen den Staatsausgaben („government current expenditures“ – GEXPND – rot) und den staatlichen Einnahmen („government current receipts“ – GRECPT – blau) ist in den zurückliegenden Jahren aufgerissen.

Es dauerte 30 Jahre, um einen solchen Schuldenberg aufzubauen („total credit market debt owed“ Gesamtschulden aller Sektoren – rot; „gross domestic product“ – BIP – blau). Ob es gelingt, diesen in den nächsten 30 Jahren wieder abzutragen?



Um zum Anfang zurückzukehren
: In den gesamten Unternehmensgewinnen (auf Allzeithoch) stecken die Gewinne aus Nicht-Finanz-Unternehmen und die aus Finanz-Unternehmen. Letztere ergeben sich (grob), wenn man von den gesamten Unternehmensgewinnen nach Steuern (CP) die der nicht-Finanz-Unternehmen („not-financial corporate profits after tax“ – NFCPATAX) abzieht. Es zeigt sich, dass diese parallel zum exponentiellen Verlauf der Verschuldung ab den frühen 1980er Jahren ebenfalls exponentiell angewachsen sind – sie haben sich seit 1982 verachtzehnfacht. Ihr BIP-Anteil hat sich in dieser Zeit fast vervierfacht (plus 288%).

Die Gewinne der nicht-Finanz-Unternehmen haben sich in den vergangenen dreißig Jahren demgegenüber nur gut verneunfacht, ihr BIP-Anteil hat sich in dieser Zeit verdoppelt. Sie liegen jetzt absolut etwa gleichauf mit denen der Finanz-Unternehmen. (Auffallend ist hier die starke Entwicklung zwischen 2002 und 2008.)

Hat da jemand gesagt, die Banken müssen gerettet werden?

In den USA wird es wahrscheinlich immer noch einfacher als in Europa sein, den angehäuften Schuldenberg wieder abzutragen, weil Bevölkerungsstruktur und –entwicklung dort noch günstiger sind als bei uns. Auch dort wird das jedoch nicht gelingen, wenn der Einfluss der Finanzindustrie nicht zurückgedrängt und sie wieder auf ihre der Realwirtschaft dienende Funktion reduziert wird.

Umgekehrt muss die Realwirtschaft wieder eine Schlüsselrolle einnehmen, sie muss wieder neu investieren und innovativ werden.

Von der Finanzindustrie ist in Richtung „Innovation“ hingegen nicht viel zu erwarten. Der ehemalige Fed-Chef Paul Volcker hat es vor nicht allzu langer Zeit einmal treffend so formuliert: Die größte Innovation der Finanzindustrie in den zurückliegenden 25 Jahren war der Bankautomat.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Lösung des gordischen Schuldenknotens ist, dass die mit den obigen Charts aufgezeigte Entwicklung einer Umverteilung zugunsten des Unternehmenssektors insgesamt gestoppt wird. Je weniger die arbeitende Bevölkerung zur Verfügung hat, je weniger kann sie ausgeben. Zwar sieht der einzelne Unternehmer für sich den Arbeitnehmer als Kostenfaktor, volkswirtschaftlich ist der aber derjenige, die Produkte seines Unternehmens kauft und somit dessen Bestand sicherstellt. Die Lösung kann auch nicht darin bestehen, dass der Verbraucher zu einem immer größeren Teil vom Staat alimentiert wird, während die Unternehmen ihre Profite auf Äußerste maximieren. Wie sich spätestens mit der Schuldenkrise zeigt, funktioniert das nicht – der Staat wird so in die Pleite getrieben. Zudem werden Schulden-finanzierte laufende Ausgaben wie Transferzahlungen an Verbraucher als „schlechte“ Schulden angesehen, weil ihnen kein materieller Gegenwert einer (produktiven) Sachinvestition gegenübersteht. Demzufolge wächst das Misstrauen gegen einen solchen Schuldner.

Viel hängt auch mit dem auslaufenden Kondratieff-Zyklus zusammen, der noch von der Elektronik getragen wird. Welche Innovation wird den nächsten Zyklus tragen? Wenn Politik und Notenbanken so weiter machen wie bisher in der massiven direkten oder indirekten, zudem noch Schulden-finanzierten Unterstützung von maroden Großunternehmen und vor allem Banken, die als zu groß angesehen werden, um zu fallen (TBTF), werden wir noch viele Jahre brauchen, um das zu erfahren. Mit einer solchen Politik werden Ressourcen in gigantischem Ausmaß verschwendet – nicht nur in finanzieller, sondern auch in ideeller und sozialer Hinsicht.

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