Divergenz Öl – Gold

Gold ist am Freitag vergangener Woche mit dem stärksten ein-Tages-Sprung in mehr als drei Jahren (plus mehr als 4%) nach oben ausgebrochen und notiert jetzt an dem wichtigen Pegel ~1620 und an einer Abwärtslinie. Zuvor hatte Gold einige Zeit bei rund 1550 (EoD) konsolidiert.

Am Freitag wurden im Zuge der schwachen US-Arbeitsmarktdaten Spekulationen über Zentralbank-Eingriffe wach. Das dürfte ein wichtiger Anstoß gewesen sein – weitere Liquidität wird entweder als Bedingung für Inflationierung oder als Eingeständnis einer katastrophalen Lage gesehen. Aus kurzfristiger charttechnischer Sicht muss das aktuelle Preisniveau bei Gold zügig überwunden werden, sonst droht ein erneuter Rückschlag Richtung 1550.

Öl (Öl Brent – OBT) befindet sich seit Anfang April im Sturzflug. Zum selben Zeitpunkt markierte der S&P 500 sein bisheriges Jahrestopp. Im Mai kam es zum stärksten monatlichen Verlust seit dem Crash im Herbst 2008. Die Lage bei OBT ist prekär, weil mittlerweile zwei Aufwärtslinien gebrochen wurden – die eine stammt aus der Jahreswende 2008/2009, die andere aus 2003. Zuvor war schon eine vom Topp aus Juli 2008 herrührende Abwärtslinie gebrochen worden. Der Verlauf des Ölpreises spiegelt die abflauende Weltkonjunktur wider.

Gold und OBT liefen bis Oktober 2007 synchron, wie der nachfolgende Chart zeigt: Die das Verhältnis beider Werte zeigende rote Linie bewegte sich innerhalb der Grenzen des waagerechten neutralen Bandes. Dann führte die starke Outperformance von OBT zu einem Ausbruch nach unten. Dem folgte im Juli 2007 eine untere Wende, dem im Oktober 2008 (Lehman) ein Wiedereintritt in das neutrale Band folgte, das im Dezember 2008 schließlich nach oben verlassen wurde. Anfang März 2009 kam es zu einer Topp-Bildung und einige Monate später zu einem Eintritt in eine Phase nicht-divergenter Entwicklung.

Mit der ersten Eskalation in Griechenland entwickelte sich Gold wiederum signifikant besser. Die rote „Gleichgewichtslinie“ stieg Ende Mai 2010 über das neutrale Band und blieb dort auch mit Ausnahme Ende Juli/Anfang August bis Ende November (Anfang November war QE2 der Fed verkündet worden). Es folgte wieder eine nicht-divergente Phase, wobei sich OBT bis Anfang Mai 2011 tendenziell besser entwickelte. Mit dem Aufflammen der US-Schulden-Krise wurde das Band Ende Juli 2011 zunächst erneut nach oben verlassen. Im September 2011 tauchte die „Gleichgewichtslinie“ wieder ein und bleibt bis jetzt im neutralen Bereich. Dabei zeigt die nach oben weisende rote Linie die tendenzielle (relative) Outperformance von Gold gegenüber OBT an.

OBT ist in erster Linie Indikator für wirtschaftliches Wachstum. Gold fungiert in erster Linie als Krisenindikator und zeigt nicht nur Inflationserwartungen, sondern auch (und wahrscheinlich sogar mehr) die Befürchtungen hinsichtlich finanzieller Instabilität an.

Die Auswertung unterstreicht eindrucksvoll, dass die Märkte jeweils dann an kritischen Punkten angelangt sind, wenn sich die „Gleichgewichtskurve“ außerhalb des neutralen Bandes bewegt. „Entwarnung“ gibt es jeweils dann, wenn die Kurve nach einem lokalen Extrem wieder in das neutrale Band eintritt.

Seit Mitte 2009 bewegt sich die Kurve mit Ausnahme der ersten Jahreshälfte 2011 vorwiegend in der oberen Hälfte des neutralen Bandes, bzw. darüber.

Momentan wird der obere Rand des neutralen Bandes angepeilt, was anzeigt, dass die Karte „finanzielle Instabilität“ gespielt wird. Das gilt insbesondere dann, wenn Gold von relativer zu absoluter Outperformance übergeht. Hierzu muss Gold jedoch zügig über ~1620 ausbrechen.

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