Spanien – Chaos!

Spanien hat jetzt Griechenland als Zentrum der Eurokrise abgelöst.

Gestern ist der Gouverneur der spanischen Zentralbank zurückgetreten. Er protestierte damit gegen den Versuch der Regierung, ihn für die Krise um die spanische Bank Bankia verantwortlich zu machen. Sein Vertrag wäre ohnehin in vier Wochen ausgelaufen, was die Angelegenheit nur noch brisanter macht. Er hatte angeboten, vor dem spanischen Parlament Gerüchte um die Pleitebank Bankia zu zerstreuen und so für Transparenz hinsichtlich der Probleme im Bankensektor zu sorgen. Das wurde von der Regierungsmehrheit mit dem Argument blockiert, es könnte eine politische Konfrontation anstoßen und sei daher kontraproduktiv. Er wurde an das nicht-öffentlich tagende Subkomitee des Bailout-Fonds FROB verwiesen.

Die EZB hat einem Bericht der „Financial Times“ zufolge die von der spanischen Regierung geplante Sanierung der angeschlagenen Großbank Bankia mit Staatsanleihen abgelehnt. Der Muttergesellschaft von Bankia, die mittlerweile verstaatlichte BFA, sollten Anleihen im Volumen von 19 Mrd. Euro zugeschustert werden, die dann bei der EZB gegen frisches Geld hätten getauscht werden können. Die EZB hat den Plan der Meldung zufolge sehr klar als nicht akzeptabel bezeichnet. Die Idee war am Wochenende veröffentlicht worden, mittlerweile hat sich die Regierung von dem Vorhaben schon wieder distanziert. BFA hatte in der zurückliegenden Woche ihre Bilanz korrigiert. Statt einem im April gemeldeten Gewinn von 41 Mio. Euro für 2011 wird jetzt ein Verlust von 3,3 Mrd. Euro ausgewiesen. Bankia hatte am zurückliegenden Freitag einen Finanzierungsbedarf von zusätzlich 19 Mrd. Euro angemeldet.

Der spanische Premierminister Rajoy will aus politischen Gründen kein europäisches Rettungsprogramm für seine Banken, weil die spanische Regierung in diesem Fall die uneingeschränkte Kontrolle über ihr Bankensystem verliert. Sie hat aber nicht die Mittel, die Bailouts selbst zu refinanzieren. Der Weg über die EZB ist damit Rajoys einzige Hoffnung. W. Münchau mutmaßt, dass die Regierung darauf vertraut, zu groß zu sein, um zu fallen. Daher versucht sie das Spiel „Hände hoch oder ich bring mich um.“ Der Schuss kann leicht nach hinten losgehen (eben!), wenn durch eine solche Haltung auch noch der letzte Rest an Vertrauen privater Darlehensgeber verloren geht und die spanischen Renditen durch die Decke gehen. Schon der Rücktritt des Zentralbank-Chefs kann nicht gerade als vertrauenensbildende Maßnahme gelten…

Viel wichtiger – diese Haltung ist ein Lehrstück dafür, was geschieht, wenn Eurobonds eingeführt würden.

Die EU-Kommission schlägt vor, dem Land ein weiteres Jahr Zeit zu geben, um das Defizit-Ziel von 3% zu erreichen. Sie gesteht damit nur ein, dass gar nichts anderes übrig bleibt. Gleichzeitig verlangt sie von Spanien weiterhin eine Reihe tiefgreifender Änderungen, insbesondere bei den Renten und beim Renteneintrittsalter, sowie bei der Reform des Arbeitsmarktes. Auch Vergünstigungen bei der Mehrwertsteuer sollen wegfallen.

Die Umsätze im spanischen Einzelhandel sind im April massiv eingebrochen, sie gingen im Jahresvergleich um 11,3% zurück. Das ist der stärkste Einbruch seit Februar 2009.

Drei angeschlagene regionale Sparkassen wollen sich zusammenschließen. Bei der Fusion der Liberbank mit Ibercaja und Caja 3 entsteht das siebtgrößte Finanzinstitut des Landes. Die drei Institute sitzen auf faulen Immobilienengagements von zusammen knapp 12 Mrd. Euro. Aus drei Ertrinkenden wird noch kein Schwimmer.

Die spanische Regierung schätzt den Finanzbedarf für drei weitere Banken, Catalunya Caixa, Novagalicia und Banco de Valencia, auf mindestens 30 Mrd. Euro. Die Institute wurden jüngst vom Staat übernommen.

Angesichts der Belastungen, die vor allem auf die geplatzte Preisblase bei Immobilien zurückgehen, bezweifeln immer mehr Beobachter, dass Spanien trotz aller Beteuerungen auf Dauer ohne Unterstützung durch EFSF/ESM auskommen kann. Erinnerungen an Griechenland, Portugal und Irland werden wach. Auch diese Länder hatten bis zuletzt daran festgehalten, ohne fremde Hilfe auskommen zu können. Dann mussten sie doch unter diverse Rettungsschirme flüchten.

Nouriel Roubini schätzt, der Bankensektor werde im zweiten Halbjahr 100 bis 250 Mrd. Euro zusätzlich brauchen, um die Mindest-Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht einzuhalten (ab Juli 9% Tier 1 Kapitalquote). Laut Reuters haben Spaniens Banken 300 Mrd. Euro an Immobilienkrediten vergeben. Davon soll aktuell die Hälfte im Verzug sein.

Ob der Ereignisse in Spanien -zusätzlich hat die kleine Ratingagentur Egan-Jones das Land gestern im Junk-Bereich weiter abstuft auf BB- nach zuvor B- ist Euro/Dollar durch den wichtigen Pegel 1,2520 gebrochen und hat ein zwei-Jahres-Tief erreicht. Gleichzeitig steigt der Dollar-Index über der wichtigen Marke von 82,40.

Nachtrag:
(31.5.12) FT Alphaville mit einem amüsanten Bericht über die Verwirrung hinsichtlich Bankia, Staatsanleihen und EZB (h/t Eurointelligence).

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