Bailout für Spanien und seine Banken verzweifelt gesucht

Nouriel Roubini befasst sich heute in der FT unter der obigen Überschrift mit Spanien. Niemand könne vorgeben, zu wissen, ob Spanien illiquide oder insolvent ist, ohne die Größe des schwarzen Lochs im spanischen Bankensektor zu kennen, schreibt er.

Nachdem die spanische Regierung lange Zeit bestritten hat, ein Problem zu haben (Anmerkung: …und Hilfe aus Brüssel brauchen wir schon gar nicht), fängt sie nun doch an, zu handeln.

Einschub: Die Sanierung der span. Sparkasse Bankia gilt seit langem als Feuerprobe für die Entschlossenheit Spaniens, in der Branche für Ordnung zu sorgen. Das Institut ist das viertgrößte Institut, trägt aber die größten Risiken im Immobilienbereich. Kredite über 37,52 Mrd. Euro hat Bankia hier vergeben, 17,85 Mrd. Euro davon gelten als problematisch. Der Staat beteiligt sich nun an der Holding (BFA) mit effektiv 45%. Zuvor hatte der Wirtschaftsprüfer sein Testat mit der Begründung verweigert, Assets seien um 3,5 Mrd. Euro zu hoch bewertet worden.

Die spanische Wirtschaft kontrahiert scharf, die Arbeitslosigkeit insbesondere unter den jungen Leuten nimmt rasant zu. Da ist es unausweichlich, dass die Regierung die Banken die Banken stützen muss, meint Roubini. Ohne Wachstum allerdings braucht die spanische Regierung selbst Hilfe von außen.

Die spanische Regierung fordert von den Banken, weitere 35 Mrd. Euro zur Absicherung von Risiken im Immobilienbereich zur Seite zu legen. Das sickerte im Vorfeld der Kabinettssitzung am Freitag durch. Die Summe käme zu den bereits geforderten 54 Mrd. Euro hinzu, mit denen sich spanische Banken gegen Ausfallrisiken bei Immobilienkrediten absichern müssen.

Spaniens Kredit-Boom erreichte seinen Höhepunkt 2008, als der Zustrom billigen Geldes aus Ländern der Eurozone, zuvorderst Deutschland, abriss. Vier Jahre später rutscht die Asset-Qualität spanischer Banken weiter ab. Roubini schätzt, der Bankensektor werde im zweiten Halbjahr 100 bis 250 Mrd. Euro zusätzlich brauchen, um die Mindest-Kapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht einzuhalten (9% Tier 1 Kapitalquote). Bedenken machen die Runde wegen des Umfangs des Engagements spanischer Banken bei Staatsanleihen ihres Landes – finanziert über Mittel aus dem LTRO-Kreditprogramm der EZB. Zudem gibt es Berichte vom Abzug von Kundengeldern insbesondere bei der „Bankia“.

Idealerweise, schreibt Roubini, sollte es unverzüglich einen Bailout der Banken geben, und zwar über die EFSF, bzw. den ESM. Deutschland ist dagegen. Auch die spanische Regierung will das nicht, weil das bedeuten würde, dass die Steuerzahler im Eurozonen-Ausland die spanischen Banken übernehmen.

Einschub: Im Zuge des wahrscheinlichen Wechsels von Schäuble auf den Sitz des Eurogruppen-Chefs, den bisher wenn-es-ernst-wird-muss-man-lügen Juncker innehat (so viele Jahre Lügen – ein hartes Geschäft), wird es auch einen Wechsel bei ESFS/ESM geben: Klaus Regling wird wahrscheinlich ersetzt durch Spanierin. Na, denn…

Und so sieht es danach aus, dass der Bailout in letzter Minute kommen wird und über den spanischen Haushalt abgewickelt wird. Das aber zwingt den Staat in die Knie, dessen offizielle(!) Verschuldungs-Quote bisher noch unter der der deutschen liegt.

Damit dann die spanischen Schuldenquote nicht völlig aus dem Ruder läuft, müssen Steuern erhöht und Ausgaben gekürzt werden in einem Ausmaß, das unrealistisch ist. Zudem vertieft das die Rezession noch weiter mit weiteren katastrophalen Folgen für die Bilanz Spaniens.

Spanien bräuchte eine starke und schnelle Verbesserung seiner Handelsbilanz, um seine externen Schulden (Anmerkung: Mit netto über 90% vom BIP eine der höchsten weltweit) tragbar zu machen. Kurzfristig kann der Fall der Importe die Handelsbilanz verbessern. Mittelfristig aber, kann Spanien die externen Schulden nur bedienen, wenn es nachhaltiges Wachstum schafft. Das aber erfordert eine interne Abwertung, die erst passiert, wenn der Euro stark an Wert verliert.

Die Situation in Spanien ähnelt der in Irland in den Jahre 2009 und 2010. (Auch damals wurde Hilfe durch die EFSF lange abgelehnt und kam im November 2010 dann doch). Zum zweiten ähnelt die Situation mit ihrer Sparen-Rezession-Spirale der in Griechenland und in Portugal.

Aber die EU-Bürokratie in Brüssel verfolgt ihren Plan hinsichtlich Spanien stur weiter. Der entscheidende Unterschied zwischen Spanien auf der einen und Griechenland, Portugal und Irland auf der anderen Seite ist Größe. Falls es bei den letztgenannten PIIGS schief geht, kann man einen zweiten Bailout nachschieben, schreibt Roubini. Bei Spanien ist das nicht möglich.

Ein Bailout Spaniens verschafft Zeit, aber das bringt nur dann etwas, wenn die Zeit genutzt wird, um Wachstum zu schaffen. Selbst dann sind die Chancen, dass Spanien nach einem Bailout bald wieder and den Kapitalmarkt zurückkehren kann, gering, weil privates Kreditengagement nachrangig zu dem aus Brüssel, von der EZB und vom IWF ist (siehe hierzu Round-up: LTRO, Kapitel „Kapitalstruktur…“). Darüber hinaus verlangt ein wirtschaftlicher Turnaround in Spanien eine ganz andere europäische Politik, nämlich weitere billige Liquiität durch die EZB, einen schwächeren Euro, steuerliche Anreize im Eurozonen-Kern, weniger „Austerity“ in der Peripherie, höhere „Firewalls“ usw.

Ein Happy-End kann es für Spanien nur geben, so schließt Roubini, wenn es dementsprechend schnelle Aktion in Brüssel, Frankfurt und in den übrigen europäischen Hauptstädten gibt. Aber das ist unwahrscheinlich. Und so werde die Eurozonen-Peripherie in Zeitlupe vor die Wand fahren.

Kurze Zusammenfassung: Nach Roubini ist es höhste Zeit für einen Bailout Spaniens und einen Politikwechsel in der Eurozone. Für Fehler ist das Land zu groß.

Nachtrag:
(11.5.12) Laut Reuters haben Spaniens Banken 300 Mrd. Euro an Immobilienkrediten vergeben. Davon soll die Hälfte im Verzug sein. Bad Banks sollen das Problem lösen – hierzu heute Kabinettsitzung in Madrid.

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