US-Schulden-Komposition

Nein, hier geht es nicht um Musik. Und wenn, dann wäre es ein sehr schrilles Stück…

Teilt man die Schulden einer Volkswirtschaft, in diesem Falle der USA, nach den Sektoren „Haushalte“, „Staat“ und „Unternehmen“ (nicht-Finanz Unternehmen) auf, so ergeben sich im Zeitablauf interessante Verschiebungen.



Zunächst fällt auf, dass die Veränderungen bei der Verschuldung insgesamt einen entscheidenden Einfluss auf die BIP-Entwicklung haben. Offenbar kann ein positives BIP-Wachstum in einer „modernen Wirtschaft“ nur mit zunehmender Verschuldung erreicht werden.

Einige Beobachtungen

  • Zeitlich in engem Zusammenhang zu einem signifikanten BIP-Einbruch steht die Ausweitung der Verschuldung des öffentlichen Sektors – Keynes lässt grüßen!
  • Vor Herbst 2008 gab es einen schnellen Anstieg der Unternehmensverschuldung
  • Die Verschuldung der privaten Haushalte verlangsamte sich ab Mitte 2006. In 2007 markierte der Anteil der Verschuldung der privaten Haushalte den höchsten Wert in den zurückliegenden mehr als 50 Jahren. Der zweithöchste Wert war in den frühen 1980er Jahren erreicht worden.
  • Auf lange Sicht hat der Anteil der Verschuldung der nicht-Finanz-Unternehmen abgenommen. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Bedeutung der Finanz-Unternehmen beständig zunimmt.
  • Mitte der 1990er Jahre überschritt die Gesamtverschuldung der drei betrachteten Sektoren das BIP. Dabei formierte der Anteil der öffentlichen Schulden ein Topp, dem zwischen 2001 und den ersten Monaten von 2008 ein flacher Verlauf folgte.
  • Die zwei stärksten Einbrüche beim BIP in den vergangenen 50 Jahren liegen 27 Jahre auseinander. Das ist grob die Hälfte der Dauer eines Kondratieff-Zyklus.

Der Anteil der öffentlichen Schulden an der Gesamtverschuldung entspricht 2011 dem Wert von Mitte der 1990er Jahre. Der absolute Wert ist jedoch heute untragbar hoch. Die jährliche Zuwachsrate der öffentlichen Schulden beträgt im Q4/2011 8,5%, das BIP-Wachstum liegt bei 2,1%. Diese Situation ist auf lange Sicht nicht tragbar: Das Wachstum der öffentlichen Schulden sollte nicht größer sein als das des BIP, weil ansonsten die Tilgung der Staatsschulden „aus dem laufenden Geschäft“ nicht mehr sichergestellt ist. Diese Daumenregel ist lediglich in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, sowie Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre beachtet worden.

Die besondere Qualität der aktuellen Situation: Das Wachstum der Schulden der privaten Haushalte liegt aktuell bei minus 0,8%, das der Unternehmen bei plus 6,1%. In den zurückliegenden fünfzig Jahren gab es außer seit Oktober 2008 bis heute noch nie eine Periode mit negativem Wachstum der Schulden privater Haushalte. Deleveraging bei den Unternehmensschulden trat auf zwischen April 2009 und Juli 2010, davor nur noch zwischen Juli 1991 und Oktober 1992.

Reinhardt und Rogoff haben in ihrem Buch „This time is different“ gezeigt, dass eine Staatsverschuldung von 90% des BIP und darüber eine Belastung für das reale Wachstum einer entwickelten Volkswirtschaft darstellen. David Rhodes und Daniel Stelter von Boston Consulting Group geben an, dass Brutto-Schuldenquoten der öffentlichen, wie der privaten Haushalte von jeweils über 100% langfristig einen sehr negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben, erst unter 70% wird das Wachstum nicht mehr negativ tangiert.

Die USA sind aus Sicht dieser Schwellen in einer kritischen Phase: Die BIP-Quote der öffentlichen Verschuldung liegt über 100%, die der privaten leicht darunter. Die BIP-Quote der Unternehmensverschuldung liegt hingegen bei „ungefährlichen“ 57%.

Die Erkenntnis ist nicht neu, die Aufspaltung der Verschuldung auf einzelne Aggregate der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zeigt aber sehr deutlich, in welch schwieriger Situation sich die USA befinden. Sie ist deutlich dramatischer als die Situation in den frühen 1980er Jahren. Der jüngste schnelle Anstieg der US-Renditen wird zwar von vielen einer stärkeren konjunkturellen Zuversicht zugeschrieben, aber genausogut kann ich es als ein Warnzeichen hinsichtlich überbordender Schulden sehen.

Zum Schuldenthema passt ein Eintrag im Big Picture Blog. Das folgende Bild zeigt die Verteidigungs-Budgets und ihre Anteile am jeweiligen BIP.

Big Picture: „Look at the comparative defense budgets of various countries, versus what can only be described as the unique military budget of the USA; if you are serious about balancing federal debt, any plan should include significantly reduced spending in this budget line.“

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