Griechenland: „Harte“ Pleite?

Der Welt-Bankenverband IIF warnt, es könnte in Griechenland zu einer ungeordneten Staatspleite mit Kosten von über einer Bill. Euro kommen. Am Donnerstag läuft das Umschuldungsangebot der Regierung in Athen ab. Aufgrund der Gläubigerstruktur und der Aktivitäten einiger Hedgefonds gibt es eine gewisse Unsicherheit, ob eine Mehrheit der Gläubiger einem Schuldenschnitt zustimmt. Die sechs größten griechischen Banken wollen am Schuldenschnitt teilnehmen, vier Pensionsfonds jedoch offenbar nicht.

Aus Sicht des IIF, der für die Banken die Federführung bei den Umschuldungsverhandlungen hatte, wäre eine Staatspleite fatal. Reuters meldet, in einem vertraulichen Dokument vom 18. Februar habe der von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geführte Verband gewarnt, die Kosten eines Scheiterns ließen sich zwar schwer beziffern: „Aber es ist kaum absehbar, dass sie unter einer Billion Euro lägen.“

Wenn Griechenland falle, so wird argumentiert, bräuchten auch Italien und Spanien in den nächsten fünf Jahren externe Hilfen im Umfang von 350 Mrd. Euro. Der EZB drohten dann ebenfalls erhebliche Verluste. Sie sei allein mit 177 Mrd. Euro in Griechenland engagiert, mehr als das Doppelte ihrer Kapitalbasis. Auch Irland und Portugal benötigten bei einer harten griechischen Pleite in den kommenden fünf Jahren 380 Mrd. Euro. Schließlich müssten auch Banken mit 160 Mrd. Euro an frischem Kapital gestützt werden.

Es kursierten Gerüchte, die Annahme-Frist für das Umtauschangebot könnte wegen einer zu geringen Beteiligung verlängert werden. Das wurde später dementiert. Der Lenkungsausschuss des IIF hatte gestern bereits erklärt, dass seine zwölf Mitglieder an dem Schuldenschnitt teilnehmen. Darunter sind Deutsche Bank, Commerzbank und Allianz.

Wenn sich eine Zustimmungsquote von 95% und mehr ergibt, geht der Bond-Tausch „glatt“ über die Bühne, liegt die Quote darunter, soll der Schuldenschnitt mit Hilfe von Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses) erzwungen werden. Kommt keine Zweidrittel-Mehrheit zustande, gibt es eine „harte“ Pleite. In diesem Fall könnten die Gläubiger leer ausgehen, ansonsten müssten sie auf mehr als die Hälfte ihrer Ansprüche verzichten.

Kommt es zu einer harten Pleite, ist das neue Hilfspaket der Eurozone im Volumen von 130 Mrd. Euro Makulatur und der Verbleib des Landes in der Eurozone fraglich. Der IIF unterlegt mit seinem internen Dokument seinen dringenden Appell an Banken, Versicherer und andere Privatgläubiger, das Umtauschangebot anzunehmen.

Aus den bisherigen Milliardenhilfen für Griechenland hat Deutschland bis Ende 2011 für den deutschen Kreditanteil 380 Mio. Euro an Zinsen erhalten. Die deutsche Regierung hat beim ersten Hilfspaket für Griechenland Darlehen von insgesamt 15,17 Mrd. Euro gewährt. Die Hilfen vom Mai 2010 hatten ein Gesamtvolumen von 107 Milliarden Euro, 30 Mrd. Euro entfallen davon auf den IWF, 77 Mrd. Euro auf die anderen Euroländer. Ausgezahlt wurden davon bis jetzt 73 Mrd. Euro. Der Rest, wie auch das neue Rettungspaket, soll über die EFSF ausgezahlt werden.

Am zweiten Rettungspaket für Griechenland trägt Deutschland einen Anteil von bis zu 37,8 Mrd. Euro. Der Betrag kann sich vermindern, wenn sich der IWF an der Finanzierung beteiligt. Insgesamt stehen der EFSF 440 Mrd. Euro als Kreditrahmen zur Verfügung. Davon sind 17,7 Mrd. Euro an Irland und 26 Mrd. Euro an Portugal zugesagt worden. Deutschland garantiert diese EFSF-Kredite in der Höhe von 5,2, bzw. 7,5 Mrd. Euro.

Der DAX stürzte heute zum Handelsschluss um 3,4% ab, der Euro notiert gegen Dollar deutlich schwächer, der Dollar-Index steigt an, er hatte vor einigen Tagen beim wichtigen Pegel von 78,40 Kehrt gemacht.

Zwei „Fieberkurven“ der Finanzmärkte: Griechische CDS steigen seit Tagen steil an. Und die Übernachteinlagen bei der EZB erreichen einen neuen Rekord.

Ich halte die Warnungen des IIF für Panikmache. Für die Großbanken ist es natürlich angenehmer, mit den frischen LTRO-Mitteln fröhlich herumzuzocken (muss ich mal so salopp sagen). Ein harter Default von Griechenland würde da nur stören. Wenn die Gefahr wirklich so groß wäre, wäre der Dollar-Index schon sehr viel stärker gestiegen. Die Bewegung ist bisher immer noch ziemlich moderat.

Aktuell:
(9.3.12) Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums haben private Gläubiger bei Papieren nach griechischem Recht im Volumen von 177 Mrd. Euro für den Schuldenschnitt gestimmt (85,8%). Bei den übrigen beträgt die Beteiligungsquote 69%. GR will nun alle Gläubiger mit Anleihen nach griechischem Recht zum Umtausch zwingen. Dazu müssen die CACs aktiviert werden. Zusammen mit den anderen Anleihen würde die Beteiligung am Schuldenschnitt dann insgesamt bei 95,7% liegen (197 von insgesamt 206 Mrd. Euro Anleihevolumen in der Hand privater Gläubiger). Die Frist für die Beteiligung von Anleihegläubigern nach ausländischem Recht bis zum 23. März verlängert werden.

Die Wahrscheinlichkeit von Klagen von Hedge-Fonds wird als steigend angesehen.

Die Entscheidung darüber, ob durch den vollzogenen Schuldenschnitt CDS getriggert werden, trifft der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA), eine Organisation der Banken. Das wurde am Abend auch so beschlossen. Es wird geschätzt, dass CDS im Umfang von saldiert rund 3 Mrd. Euro „unterwegs“ sind. Unsaldiert liegt das Volumen gut 20 mal so hoch, wird geschätzt.

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