Weltbank: „China 2030“

Die Weltbank hat heute einen in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Entwicklungsforschung des chinesischen Staatsrates erstellten Bericht mit dem Titel „China 2030“ vorgestellt. Nach drei Jahrzehnten mit rund zehn Prozent Wachstum brauche China eine „neue Entwicklungsstrategie“, das Land sei an einem „Wendepunkt“, heißt es.

China sehe sich nun einer Reihe von Risiken gegenüber, darunter dem einer kurzfristigen harten Landung. Es seien tiefgreifende marktwirtschaftliche Reformen notwendig, um das langfristige Wirtschaftswachstum zu sichern. „Hinzu kommt,“ so Weltbank-Präsident Zoellick, „dass das globale Umfeld auf absehbare Zeit unsicher und sprunghaft bleiben wird, wodurch die Notwendigkeit für Veränderung noch größere Bedeutung gewinnt.“

Dem Bericht zufolge muss bei der Neuausrichtung oben an stehen, dass der Übergang zur Marktwirtschaft vollzogen werden muss. Innovationen müssen beschleunigt werden, dabei spielt der Umweltschutz eine bedeutende Rolle. Die Land- Arbeits- und Finanzpolitik muss reformiert werden. Der Bericht fordert auch gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Gesundheitswesen und Arbeitsplätzen.

Erst in der zurückliegenden Woche waren wieder Warnungen einer chinesischen Denkfabrik laut geworden, dass das Wirtschaftswachstum unter die magische Marke von 8% absinken könnte, wahrscheinlich sogar auf 6 bis 7%.

Das käme einer Rezession gleich, sagte Paul Markowski von MES Avisers. Die meisten Analysten schätzen, dass China ein Wachstum von 8% benötigt, weil nur dann genügend Arbeitsplätze geschaffen werden können, um soziale Unruhen zu vermeiden. Daher strebt auch Chinas Führung ein Mindestwachstum von 7 bis 8% an.

2011 wuchs die Wirtschaft um 9,2%, 2010 waren es sogar plus 10,4%. Es zeichnet sich das fünfte Quartal in Folge mit sinkendem Wachstum ab.

Es wird befürchtet, dass in China die Investitionen in Immobilien einbrechen könnten, die etwa 12% des BIP ausmachen. Eine gewisse Abkühlung des Immobiliensektors ist politisch gewollt, um eine Überhitzung des Marktes zu vermieden. Allerdings war der Verkaufsdruck in einigen Ballungsgebieten zuletzt sehr stark angestiegen.

Belastet von sinkenden Bestellungen schrumpft der chinesische Industriesektor den vierten Monat in Folge. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex von HSBC legte zwar nach 48,8 Punkten im Januar auf 49,7 Punkte zu, bleibt aber unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Die Notenbank der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat vor kurzem zum zweiten Mal seit November 2011 die Mindestreserveanforderung für Banken um 50 Basispunkte auf 20,5 Prozent zurückgeschraubt. Das erhöht das Kreditpotenzial um umgerechnet rund 50 Mrd. Euro.

Die unsicheren Wachstumsaussichten in China spiegeln sich auch bei der Entwicklung der Frachtraten wider. So hatte der Baltic Dry Index kürzlich wieder das Niveau vom Frühjahr 2009 erreicht, von dem er sich aktuell wenig dynamisch abzusetzen versucht. Auch der Harpex-Index für Container-Frachtraten zeigt lediglich eine Abflachung seiner Abwärtsbewegung an, eine Bodenbildung ist gegenwärtig nicht in Sicht.

Nachtrag:
(28.2.12) Hinter der Feststellung, es seien tiefgreifende marktwirtschaftliche Reformen notwendig, um das langfristige Wirtschaftswachstum zu sichern, steht die Befürchtung, dass China in der „Middle-income trap“ gefangen sein könnte. Dies kennzeichnet eine Situation, in der ein aufstrebendes Land zwischen dem ressourcen- und dem produktivitäts-getriebenen Stadium der Wirtschaft verharrt. Es verliert im Wettbewerb mit Billiglohnländern und kann sich auch gegen entwickelte Industriestaaten nicht behaupten. Dann droht Stagnation auf mittlerem Niveau mit gelegentlichen kurzen Boomphasen und nachfolgenden schnellen Einbrüchen.

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