Der FAS-Redakteur – ausgejammert?

Patrick Bernau, ein Redakteur des Wirtschafts-Ressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS), hat sich verschiedentlich hervorgetan als Besitzer einer (oder mehrerer?) Griechenland-Anleihe(n). Eine Anleihe mit der WKN A0T6US (Nominalverzinsung 4,300%) ist am 20.03.2012 fällig – Emissionsvolumen 14,5 Mrd. Euro. Der aktuelle Kurs liegt bei 38,5 – Kursverlust am Freitag 12,5%.

Bernau macht hehre Motive für sich geltend, er hätte den Griechen mit seinem Geld nur helfen wollen. Außerdem hätte er Finanzminister Schäuble geglaubt, der seinerzeit versichert hat, bei Griechenland gehe es nicht um Restrukturierung.

Der FAS-Redakteur hätte schon zum Zeitpunkt seines Kaufs wissen können, dass Griechenland ein Solvenz-, kein Liquiditätsproblem hat. Er hätte nur mal seine Kollegen fragen oder deren Artikel lesen sollen. Und dass er Schäuble geglaubt hat – naja, ein wenig naiv ist das schon…

In der heutigen Ausgabe der FAS steht Bernau vor den Scherben seiner „Hilfe“. Und jammert noch einmal (aber schon leiser, wenn auch immer noch an prominenter Stelle im Wirtschaftsteil).

Nachdem es zwischenzeitlich geheißen hatte, die Beteiligung am griechischen Haircut sei freiwillig, läuft jetzt alles auf rückwirkende „collective action clauses“ hinaus, bei der eine Mehrheit der Gläubiger (üblicherweise 65 bis 70%) über den Schuldenschnitt entscheidet. Ein Haircut von 70% ist im Gespräch. Am morgigen Montag soll alles festgezurrt werden. Das Ziel ist und bleibt: Die griechischen Schulden sollen um 100 Mrd. Euro vermindert werden.

Ein großer Gläubiger Griechenlands, die EZB, macht sich wohl gerade aus dem Staub. Die EZB wird dem Vernehmen nach ihre Bestände an Griechenland-Anleihen am Wochenende umtauschen. Sie hatte mit ihren Beständen von rund 50 Mrd. Euro zwar keine Mehrheit, hätte aber bei dem Abstimmungsprozess „Zünglein an der Waage“ spielen können. Steigt die EZB tatsächlich auf diese Art aus (oder um), muss die Schuldenschnitt-Quote weiter steigen. Über die Gläubigerstruktur Griechenlands gibt es ansonsten keine zuverlässigen Angaben, auch nicht über den Anteil von auf Staatspleiten spezialisierten Hedge-Fonds. Denkbar, dass das endgültige Urteil über den Schuldenschnitt erst in vielen Jahren fällt.

Da mit dem Aus-, bzw. Umstieg der EZB die Wahrscheinlichkeit eines „freiwilligen“ Schuldenschnitts noch weiter sinkt, kommt das Szenario der Auslösung von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps – CDS) hoch. Niemand weiß genau, wer wie viele CDS an wen verkauft hat. Eine Kettenreaktion auf dem europäischen Bankensektor wäre möglich.

Nachtrag:
(9.3.12) Nach Angaben des griechischen Finanzministeriums haben private Gläubiger bei Papieren nach griechischem Recht im Volumen von 177 Mrd. Euro für den Schuldenschnitt gestimmt (85,8%). Bei den übrigen beträgt die Beteiligungsquote 69%. GR will nun alle Gläubiger mit Anleihen nach griechischem Recht zum Umtausch zwingen. Dazu müssen die CACs aktiviert werden. Zusammen mit den anderen Anleihen würde die Beteiligung am Schuldenschnitt dann insgesamt bei 95,7% liegen (197 von insgesamt 206 Mrd. Euro Anleihevolumen in der Hand privater Gläubiger). Die Frist für die Beteiligung von Anleihegläubigern nach ausländischem Recht bis zum 23. März verlängert werden.

Die Wahrscheinlichkeit von Klagen von Hedge-Fonds wird als steigend angesehen.

Die Entscheidung darüber, ob durch den vollzogenen Schuldenschnitt CDS getriggert werden, trifft der Derivateverband International Swaps and Derivatives Association (ISDA), eine Organisation der Banken. Das wurde am Abend auch so beschlossen. Es wird geschätzt, dass CDS im Umfang von saldiert rund 3 Mrd. Euro „unterwegs“ sind. Unsaldiert liegt das Volumen gut 20 mal so hoch, wird geschätzt.

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