Beim nächsten LTRO geht es zur Sache

Europäische Banken wollen beim nächsten LTRO der EZB am 29. Februar richtig zuschlagen. Die FT berichtet von drei Chefs europäischer Banken, die dann zwei bis drei mal so viel leihen wollen wie beim Termin vor Weihnachten. Die EZB hatte auf ihrer Sitzung Anfang Dezember beschlossen, den europäischen Banken unbegrenzt Liquidität gegen geringere Sicherheitsanforderungen auszuleihen, und zwar für drei Jahre mit gegenwärtig einem Prozent an Zinsen.

Beim Dezember-LTRO waren an mehr als 500 europäische Banken fast 500 Mrd. Euro ausgeliehen worden. Aber so schüchtern wollten sich die Banken beim nächsten Mal nicht anstellen, sagte ein Bankvorstand. Nehmen Banken bei solchen Auktionen viel Kredit auf, wird das schnell als Schwäche gewertet. Das war gestern…

Goldman Sachs hatte vor einigen Tagen schon avisiert, dass der kommende LTRO leicht eine Billion Euro groß werden könnte. Und wenn es weitere Probleme an den Finanzmärkten gibt, könnte es auch weit mehr werden, heißt es.

Im ersten Quartal werden 230 Mrd. Euro an Bank-Anleihen zur Refinanzierung fällig. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass der Markt für Neuemissionen in dieser Größenordnung aufnahmefähig ist.

Analysen hatten zu Jahresbeginn gezeigt, dass Banken Mittel aus dem Dezember-LTRO zum Kauf von Staatsanleihen aus Italien und Spanien eingesetzt hatten. Die Renditen waren entsprechend heruntergegangen. Mittlerweile sind sie allerdings wieder deutlich angestiegen. Die von Portugal bewegen sich sogar auf Rekord-Niveau, weil im Zuge der nicht vorankommenden Haircut-Gespräche in Griechenland Ansteckung mit dem Pleite-Virus gefürchtet wird: 10-jährige Bonds stiegen um mehr als zwei Prozent auf über 17%.

Auch EZB-Chef Draghi sieht für das kommende LTRO substantiellen Appetit der Banken. Von Reuters befragte Analysten gehen gegenwärtig noch von einer Summe von lediglich 325 Mrd. Euro aus.

Im Dezember hatten italienische Banken das Feld angeführt. Als Sicherheiten hatten sie seinerzeit auch frisch emittierte eigene Anleihen hinterlegt, die nur deswegen akzeptiert wurden, weil sie mit einer Garantie des italienischen Staates versehen wurden. Auch spanische Banken waren Großabnehmer. Auch die englische RBS hat sich –über ihre Dependance in den Niederlanden- 5 Mrd. Euro gesichert.

Beim Thema Finanzierung der PIIGS muss auch immer wieder das Stichwort „Target2“ fallen. Hierbei erhalten die Zentralbanken der PIIGS automatisch Kredit durch Zentralbanken etwa in Deutschland oder in den Niederlanden.

Nachtrag:
(1.2.12) Beim LTRO der EZB (long-term refinancing operation) geht es um langfristige Refinanzierungsgeschäfte mit drei Jahren Laufzeit. Als Counterparts kommen nur von der EZB als solche anerkannte Banken in der Eurozone in Betracht. Bei den Ausleihungen gibt es keine Obergrenze, die Untergrenze liegt bei einer Million Euro. Die Verzinsung richtet sich nach dem Leitzins der EZB (gegenwärtig ein Prozent), über die gesamte Laufzeit werden Zinsänderungen zeitanteilig berücksichtigt.
Die Ausleihungen erfolgen gegen Sicherheiten. Akzeptiert werden alle Staatsanleihen der Eurozonen-Mitgliedländer und eine Vielzahl weiterer Assets. Es kommt nicht auf den Nennwert, sondern auf den Marktwert an. Die Wertentwicklung wird laufend überprüft, bei Unterdeckung muss die Schuldner-Bank Sicherheiten nachschiessen. Gibt es für Sicherheiten keinen Markt, bestimmt die EZB den Wert. Zudem stellt die EZB einen Abschlag in Rechnung, der abhängig von der Qualität der hinterlegten Sicherheit zwischen 0,5 und 46 Prozent beträgt.
Technisch ist der Vorgang beim LTRO wie folgt: Jede Bank der Eurozone hat bei ihrer Landes-Zentralbank ein Konto für Bargeld, den sogenannten „cash account“, auf dem Einzahlungen der Zentralbank verbucht werden, ein anderes Konto ist der „collateral account“ mit den als Sicherheit für Darlehen vorgesehenen Vermögenswerten. Will eine Bank von der EZB einen (LTRO)-Kredit aufnehmen, bietet sie Sicherheiten an. Nimmt die EZB an, erhält die Bank den Kreditbetrag auf dem „cash account“ gut geschrieben, die verpfändeten Vermögenswerte auf dem „collateral account“ werden blockiert.
Die EZB vergrößert mit den Auszahlungen auf die „Cash Accounts“ der Banken die Geldbasis, die in der EZB-Bilanz erscheint.

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