EZB: Über-Nacht-Einlagen fallen nach Rekord-Hoch

Die Über-Nacht-Einlagen der Banken bei der EZB sind in der vergangenen Nacht förmlich kollabiert. Die EZB teilte mit, dass ihr „nur“ rund 395 Mrd. Euro zugeflossen sind. Einen Tag zuvor war mit 528 Mrd. Euro noch ein Allzeithoch markiert worden. Die aktuelle Summe liegt aber immer noch über dem Niveau nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Sie erreicht jetzt etwa den Pegel, als Griechenland im Mai 2010 das erste Mal Finanzhilfe forderte.



Hohe Über-Nacht-Einlagen sind ein Zeichen dafür, dass die Banken erstens über eine hohe Liquidität verfügen, mit der sie zweitens nichts Besseres anzufangen wissen.

Zu „erstens“ ist zu sagen, dass die EZB kurz vor Weihnachten im Rahmen ihres LTRO fast 500 Mrd. Euro an 523 europäische Banken für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren verliehen hat. So schön die Zahl ist, real war die Netto-Liquidität, die mit dieser Aktion injiziert wurde, geringer, nämlich gut 200 Mrd. Euro. Gleichzeitig endete nämlich eine „open market operation“ mit einjähriger Laufzeit. Die Überschussliquidität im EZB-System beträgt aktuell gut 400 Mrd. Euro.

Zu „zweitens“ ist anzumerken, dass die Banken immer dann ihre Überschussliquidität zur EZB tragen, die dort „für lau“ (0,25%) verzinst wird, wenn sie fürchten, dass die besser verzinste Anlage im Interbanken-Geschäft unsicher ist. Denn der gemeine Banker möchte nachts ruhig schlafen; erst recht möchte er nicht morgens aufwachen und feststellen müssen, dass „seine Kohle“ nicht zur Arbeit zurückgekehrt ist. Insofern sagt die Höhe, besser der Verlauf der Über-Nacht-Anlagen bei der EZB etwas über das Misstrauen der Banken untereinander aus. Er wird auch Angst-Indikator genannt.

Recht aussagekräftig hinsichtlich „Misstrauen“ oder „Angst“ ist auch der Verlauf der „marginal lending facility“ der EZB. Hier dürften sich vor allem kurzfristige Probleme bei einzelnen Banken widerspiegeln.

Und wo es „brennt“, zeigt sich, wenn man einen Blick darauf wirft, wie viel Geld sich italienische und spanische Banken bei der EZB geliehen haben (und wie schnell dieser Betrag zuletzt angewachsen ist).

In den USA sieht das Bild so aus: Die gesamten Reserven des Bankensystems betragen aktuell fast 1,6 Bill. Dollar, die Überschussreserven 1,5 Bill. Dollar. Das Verhältnis beider Summen liegt seit der Lehman-Pleite konstant klar über 90%. Da könnte viel an Neu-Kredit verliehen werden – wird aber nicht.

Nachtrag:
(23.1.12) Per zurückliegendem Wochenende sind die Über-Nacht-Einlagen wieder auf 492 Mrd. Euro angewachsen.

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