„I had a dream“

Heute ist in den USA Feiertag. Mit dem „Martin Luther King Day“ soll des Geburtstags dieses Vorkämpfers gegen Rassendiskriminierung gedacht werden.

Paul Krugman bezieht sich in der New York Times auf eine seiner Reden: Er träumte von einer Nation, in der seine Kinder nicht beurteilt werden nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Wesen, ihrer Persönlichkeit.

Krugman meint, die USA sei zumindest zu einer Nation geworden, in der die Hautfarbe keine so große Rolle mehr spielt wie zu Lebzeiten des während einer Kampagne für höhere Löhne ermordeten Martin Luther King. Stattdessen ist heute die Größe der Lohntüte entscheidend.

Mehr als in den meisten anderen entwickelten Ländern ist in den USA das Gehaltsniveau der Söhne mit dem der Väter korreliert. Dahinter steckt indirekt auch eine Art Rassen-Diskriminierung, meint Krugman. Etwa seit 1980 hätte sich die wirtschaftliche Situation des farbigen Bevölkerungsanteils der USA nicht weiter verbessert. Seitdem haben sich die wirtschaftlichen Unterschiede in der Bevölkerung insgesamt ausgeweitet und sind heute so stark wie in den späten 1920er Jahren. Und es deutet nichts darauf hin, dass sich dieser Trend umkehrt – im Gegenteil.

So weit Krugman.

Die folgenden Charts belegen die Verhältnisse (Quelle). Sie mögen in den USA besonders krass sein, in anderen industrialisierten Ländern weisen die Trends in dieselbe Richtung.

Der folgende Chart ist dieser Quelle entnommen und erweitert die oben dargestellte “Vererbung” der Einkommensungleichheit (“The Great Gatsby Curve”) auf weitere Länder:

Wachsende Ungleichheit in der Einkommensverteilung und die Zementierung dieser Verhältnisse über Generationen hinweg sind Anzeichen einer sich immer stärker herausbildenden Klassengesellschaft. Das mag zwar schön sein für die herrschende Klasse, aber es ist schlecht für die Gesellschaft insgesamt.

Die Evolution, d.h. die ständige Erneuerung und Anpassung von „Systemen“ benötigt einen großen „Vorrat“ an Spielarten, bzw. Varianten – sie benötigt ein Reservoir, aus dem sie ihr Anpassungspotenzial bezieht.

Übertragen auf eine Gesellschaft mit hohen Klassenschranken bedeutet das, dass sich neue Talente, Fähigkeiten und Ideen letzten Endes nicht oder nicht schnell genug durchsetzen können. Dadurch gehen der Gesellschaft wichtige Erneuerungsimpulse verloren, was schließlich auch über ihren Fortbestand entscheiden kann.

Insofern ist es möglicherweise ein Menetekel, dass die Ungleichheit der Einkommensverteilung heute wieder so hoch ist wie in den späten 1920er Jahren – 1929 begann die Weltwirtschaftskrise.

Nachtrag:
(17.1.12) “Income inequality in the United States” bei Wikipedia

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