Staaten: Schulden ohne Ende – auch 2012

Nach dem “Economic Outlook No 90″ vom November 2011 der OECD zeigt sich die Situation bei der Staatsverschuldung unverändert schlecht. Die nachfolgende Darstellung basiert auf den Projektionen der OECD für 2012.

Wir haben wieder wie im Mai 2011 zwei Übersichten graphisch aufbereitet. Die erste zeigt die Rangfolge nach Netto-Verbindlichkeiten. Sie ist aussagekäftiger v.a. hinsichtlich der Möglichkeit, eine hohe Verschuldung schneller wieder abbauen zu können – zur Not durch Verkauf von Assets.

Es gibt zwar Verschiebungen innerhalb des Feldes, aber am Debakel insgesamt hat sich nichts geändert. Das gilt auch für die Brutto-Verschuldung.

In der graphischen Darstellung wurde in beiden Fällen rein nach der Gesamtverschuldung sortiert. Für die Frage, wie gut ein Land seine Schulden wieder in den Griff bekommen kann, ist auch wichtig, wie hoch das Defizit ist. Daher muss zur vollständigen Beurteilung beides berücksichtigt werden.

Als Faustregeln gelten:

Reinhart und Rogoff nennen in ihrem Buch “This time is different” aus langfristigen historischen Untersuchungen eine kritische Schwelle: Liegt die (Brutto-)Staatsverschuldung bei über 90 % des BIP, helfen weitere Schulden, auch wenn mit ihnen streng nach Keynes investive konjunkturbelebende Projekte finanziert werden, nicht mehr aus der Misere heraus, das Wachstum sinkt signifikant (siehe z.B. hier!). Umschuldung/Restrukturierung ist eine nahezu zwingende Folge. Die kritischen Schuldenschwellen sind bei Volkswirtschaften der Emerging Markets mit 60% statt 90% deutlich niedriger.

Die Autoren haben interessanterweise bei ihrer historischen Analyse bei den industrialisierten Länder als Gruppe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen hoher Staatsverschuldung und Inflation gefunden. Für einzelne (wie z.B. für die USA) konnte ein solcher Zusammenhang sehr wohl gezeigt werden. Bei den Emerging Markets hängen hohe Staatsverschuldung und Inflation dagegen durchweg eng zusammen.

Eine andere Daumenregel besagt, ein Land hat dann nur noch geringe Chancen, aus der Schuldenfalle zu entkommen, wenn es 30% oder mehr der jährlichen Steuereinnahmen für Zinsen aufwenden muss. Bei einem Anteil von 40% ist eine Schuldenrestrukturierung mit damit verbundenen Abschreibungen kaum zu vermeiden.

Das folgende Bild stellt die jährlichen Zinszahlungen ins Verhältnis zu den Einnahmen des Staaten aus Steuern und Nicht-Steuern.

Die erwähnte Daumenregel kann daher nicht direkt angewandt werden. Länder, die in Rang „1“ eingruppiert sind, dürften der 40%-Grenze dieser Regel entsprechen, die in „2“ sind ähnlich zu sehen wie die 30%-Schwelle.

Nachtrag: Zum Vergleich die Charts basierend auf dem “Economic Outlook No 88″ (Projektionen für 2011)

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