Black Friday und US-Makrodaten

Der US-Einzelhandel hat über das zurückliegende Wochenende nach „Thanksgiving“ 52,4 Mrd. Dollar umgesetzt – 16% mehr als vor einem Jahr. Beobachter zeigten sich überrascht, allgemein war wegen Arbeitslosigkeit, hoher Benzinpreise und Eurozonen-Sorgen mit Kaufzurückhaltung gerechnet hatten. Best Buy, Macy’s und Wal-Mart waren offenbar die Favoriten.

Vor Thanksgiving hatte eine Umfrage ergeben, dass bis zu 152 Millionen Amerikaner für das zurückliegende Wochenende Einkäufe planten – rund zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Nach Auswertung des tatsächlichen Verlaufs haben von Donnerstag bis Sonntag dann aber 226 Millionen Amerikaner Geschäfte oder Internet-Shops besucht – ein neuer Rekord.

Die Kauflaune war so aufgeheizt, dass z.B. in Kalifornien mindestens 20 Menschen verletzt wurden, als eine Frau bei Wal-Mart Pfefferspray einsetzte, um sich Vortritt in der Schlange der Kaufwütigen zu verschaffen. Das sind doch mal gute Nachrichten…

Das zurückliegende Wochenende war der offizielle Start des Weihnachtsgeschäfts in den USA. Die größte Volkswirtschaft der Welt hängt zu 70% vom privaten Konsum ab.

Das Wirtschaftswachstum hatte sich in den USA mit plus 2% annualisiert im dritten Quartal fester präsentiert als das der Eurozone mit 0,1%, gestützt durch das „PCE“ (personal consumption expenditures). Das Datum ist seit Mai 2009 nahezu durchgängig gestiegen (von damals 9,773 auf 10,863 Bill. Dollar im Oktober).

Das entspricht einem Zuwachs von rund 11,2%. Demgegenüber ist das DSPIC (real disposable personal income) lediglich um knapp 0,7% auf jetzt 10,129 Bill. Dollar angewachsen.

Um ihrer vornehmsten Pflicht nachzukommen, haben die US-Verbraucher deutlich entspart: Die Sparquote sank in diesem Zeitraum von 7,1 auf 3,5%, das private Sparvolumen halbierte sich auf aktuell 400 Mrd. Dollar.

Für die kaufkräftige Nachfrage entscheidend ist die Lage am Arbeitsmarkt. Und so fällt der Blick auf die Entwicklung der US-Arbeitsplätze, die am Freitag dieser Woche für November aktualisiert werden. Erwartet werden für November 70.000 bis 150.000 neue Arbeitsplätze nach plus 80.000 im Vormonat.

Aktuell gibt es so viele Jobs wie im Juli 2004, die Dynamik ist mit derjenigen damals vergleichbar, also weit unter dem Durchschnitt früherer Nach-Rezessionsphasen. Das gilt auch für die Erholung insgesamt, wenn man vier der wichtigsten Makrodatenreihen in einer Art Diffusionsindex zusammenfasst (siehe rote Linie). Er erhebt sich seit 2000 immer weniger über die Mittellinie, die Expansion und Kontraktion trennt.

Ein weiteres Maß für wirtschaftliche Aktivität ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (violette Linie im Haupt-Chart „MZMNS“). Die hatte im Juli 2009, zum offiziellen Ende der jüngsten Rezession, ein Rekord-Tief gebildet, konnte sich bis zur Jahresmitte 2010 etwas aufschwingen und geht seitdem wieder zurück. Auf Jahressicht ist ihr Rückfall etwas größer als die Zunahme der Versorgung der Volkswirtschaft mit liquiden Mitteln (auf Jahressicht plus 9,4%). Das unterstreicht gegenwärtig geringeren Preisdruck.

Die statistische Auswertung ausgewählter Zinsverläufe zeigt, dass die stimulierende Wirkung der Zinsseite vor einigen Monaten zu Ende gegangen ist. In der Tendenz bewegt sich dieser Indikator, der in den zurückliegenden Jahrzehnten zuverlässig längere Zeit im Voraus eine Rezession angezeigt hatte, wieder in diese Richtung. Das ist bisher nicht signifikant, sollte aber einen gelegentlichen Blick wert sein. Die Frage ist, ob sich der Indikator die Zeit von 1995 bis 2000 zum „Vorbild“ nimmt oder die ab 2005.

Zusammenfassung: Für allgemeines makroökonomisches Jubilieren besteht kein Anlass. Das gilt gleichermaßen für den Fakt, dass der private Konsum durch Entsparen „subventioniert“ wird, wie für andere Indizien. Bei der erreichten hohen Schuldenquote von nahezu 100% wird ein nachhaltiges Wachstum von sicher mehr als 2% benötigt, damit sich die Wirtschaft an den eigenen Haaren aus dem Schuldensumpf ziehen kann. Ohne zunehmende Dynamik kann die Lage rasch in eine erneute Rezession abkippen.

In dieser Woche stehen eine Reihe wichtiger Makrodaten an, so das US-Verbrauchervertrauen, der Case/Shiller-Hauspreisindex, der ISM-Index und die Entwicklung der US-Arbeitsmarktdaten. Genügend „Futter“ also…

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