Dollar-Index bricht aus

Der Dollar-Index ist gestern über 78,40 gestiegen. In den fünf Tagen zuvor war dieser Pegel wiederholt angegangen worden, wurde aber per EoD stets respektiert. Mit dem gestrigen Ausbruch wurden zudem zwei wichtige Linien überwunden. Die eine („dunkle“) stellt die Obergrenze eines seit Juni 2010 bestehenden Abwärtskanals dar. Die andere („grüne“) verband seit Anfang 2008 markante Tiefs miteinander, bevor sie Ende Februar gebrochen wurde. Bei 80,50 liegt der nächste langfristig bedeutende Widerstandspegel.

Im Bereich von 73,50 hat sich zwischen April und August ein Boden gebildet, das jüngste (scharfe) Tief stammt aus Ende Oktober im Umfeld der Beschlüsse der Eurozone, die EFSF zu hebeln. Auch in Charts anderer Basiswerte findet sich ein solcher markanter Spike. Das zeigt meiner Meinung nach, dass die „Märkte“ das zwar für eine gute Idee hielten, aber schnell den Glauben an eine wirksame Umsetzung verloren.

Das langfristige Bild zeigt die Möglichkeit, den 2008 gestarteten Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. 2001 hatte zuvor der Fall des Dollar-Index begonnen. Davor hatte er sich seit Beginn der 1990er Jahre in einem Aufwärtskanal befunden.

Bei Euro/Dollar prägt sich seit Mai korrespondierend zur Stärke des Dollar-Index Schwäche aus, damals hatte das Währungspaar bei 1,4850 ein Hoch markiert. Ein Test der wichtigen („roten“) Aufwärtslinie bei aktuell 1,3230 steht aus, gestern gab es einen „ersten Vorgeschmack“. Am 3. Oktober hatte die Linie zuletzt Bestand.

Was bestimmt eine Währungsrelation mittel- bis langfristig? Die wichtigsten grundlegenden Faktoren dürften sein: Wirtschaftliches Wachstum, Zinsdifferenzen, Schuldenquote. Aus sehr langfristiger Sicht ist wohl das Wachstums-Differential der alles entscheidende Punkt. Aus eher kurzfristiger Sicht werden Wechselkurse über den „safe heaven“-Reflex auch durch politische und wirtschaftliche Unsicherheit bestimmt. Dann besteht die Tendenz, die eigene Währung heim zu holen, was ihre zeitweilige Stärke zur Folge hat.

Im Währungspaar Euro/Dollar schlug sich Mitte Juli 2008 eine radikale Änderung in der Einschätzung des Euro nieder. Die seitdem erfolgten Gegenbewegungen schafften es alle nicht, die oberste grüne Abwärtslinie zu brechen. Seite Ende April verstärkt sich die Euro-Schwäche, die Abwärtsbewegung versteilert sich. Der Dollar-Index spiegelt demgegenüber noch keine besondere Stärke wider. Im zweiten Quartal 2008 bildete er einen Boden bei rund 72, im zweiten Quartal 2011 dann einen weiteren bei 73,50 und tritt jetzt mit Überwinden von 78,40 in eine entscheidende Phase ein.

Bisher war die Schwäche von Euro/Dollar hauptsächlich auf die Schwäche des Euro zurückzuführen, weniger auf Stärke des Dollar. Es liegt auf der Hand, dass sich hierin die Staatsschulden-Situation besonders niederschlägt. Dabei sind das weniger die Schuldenquoten, die sich kaum zwischen USA und Eurozone unterscheiden. Es ist vor allem die Unfähigkeit der europäischen Politik, diese in den Griff zu bekommen.

Zuletzt hatten US-Makrodaten nahegelegt, dass die US-Wirtschaft besser dasteht als die der Eurozone. So kommt das BIP-Wachstum in den USA in Q3 auf 2%, in der Eurozone wird demgegenüber ein Wachstum von 0,2% geschätzt. Diese Tendenz hatte sich schon in den Vorquartalen abgezeichnet. Sollte sie anhalten, wovon auszugehen ist, dürfte das den Euro zusammen mit dem Schuldenthema weiter unter Druck halten.

Das Interesse der USA an einer starken Greenback ist „begrenzt“. Gleichzeitig stehen ihnen genügend Instrumente zur Verfügung, gegenzusteuern. Eines könnte ein QE3-Programm sein. Umgekehrt könnte der Beschluss der Eurozone, Eurobonds einzuführen, zu einem nachhaltigen Kapitalzufluss in den Euro führen.

Diese beiden Ereignisse wären geeignet, das Szenario eines schwachen Euro und eines mühsam erstarkenden Dollar zumindest zeitweise zu kippen. Eurobonds hätten allerdings im großen zeitlichen Rahmen wiederum das Zeug, dem einheitlichen Währungsraum „den Rest zu geben“.

Charts: Incrediblecharts.com
Hinweis: Die EoD-Charts von Dollar-Index und Euro/Dollar werden auf der Startseite von TimePatternAnalysis täglich aktualisiert (Direktzugriff auf Chart hier).

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