Deutschland angesteckt?

Ende vergangener Woche schreckte eine Meldung auf, asiatische „real-money“ Investoren trennten sich in großem Stil von deutschen „Bunds“.

In der Tat hatte der Bund-Future am 9. November ein Hoch bei über 139 gebildet und die zurückliegende Woche bei unter 137 beschlossen. Gestern hat er sich leicht erholt. Der Bereich bei 139 stellt eine wichtige Widerstandszone dar, er war bereits in der zweiten Hälfte September angelaufen worden.

Die Renditen für 10jährige deutsche Staatsanleihen spiegeln das wieder (siehe Chart – Chart-Link).

Es scheint so, als stellt der Pegel bei 1,8% ein bedeutenderes Tief dar. Er war bereits Anfang September im Zuge der Entscheidung der SNB, den Franken bei 1,20 gegen Euro „festzutackern“, erreicht, aber nicht unterboten worden. Bunds werden von der SNB gekauft, um den Schweizer Franken gegen Euro zu schwächen.

Die zuletzt gesehenen deutschen Renditeaufschläge schlagen sich in den Eurozonen-Spreads nieder, hier dargestellt am Kursverlauf eines ETFs (WKN DBX0AW), der invers an den iBoxx Sovereigns Eurozone total Return Index gekoppelt ist.

Seit Februar 2011 wird der Pegel 113,85 attackiert, bisher hat er gehalten. In den vergangenen Tagen verhinderten die steigenden deutschen Renditen einen Ausbruch über diese Linie hinaus. Der starke Abfall von Mitte Juli an bis Ende August zeigt, dass im Zusammenhang mit dem Erreichen des US-Schuldendeckels und den politischen Wirrnissen um seine Aufhebung europäische Staatsanleihen insgesamt als sichere Häfen angesehen wurden.

Sollte der o.g. Pegel nachhaltig aufgehebelt werden, wäre das ein Zeichen für weiter anwachsende Probleme der Eurozone bis hin zu einem möglichen Auseinanderbrechen. Hält er, heißt das umgekehrt noch nicht, dass alles gut wird. Dann ist nämlich zu prüfen, wie sich die deutschen Renditen entwickeln.

Die beiden Charts zusammen genommen unterstreichen die Aussage, dass die Vertrauenskrise hinsichtlich der Eurozone eine sehr kritische Dimension angenommen hat.

Die Pleitegefahr in der Eurozone, wie sie der iTraxx Crossover 5y Short bzw. der hierauf abgestellte ETF (WKN DBX0AU) nachzeichnet, wird offenbar immer noch als verhältnismäßig gering eingestuft. Schön zu sehen übrigens, wie der EFSF-Hebel-Beschluss am 28. Oktober zu einem starken Durchbruch (=Reduktion der Pleitewahrscheinlichkeit) geführt hat. Er war aber nur von kurzer Dauer…

U.a. aus den angeführten ETFS kann ein Indikator konstruiert werden, der das Sentiment der „Märkte“ hinsichtlich Risiko im allgemeinen, hinsichtlich Risiko in Zusammenhang mit Staatsverschuldung im besonderen nachzeichnet. Der meldet seit einigen Tagen wie zuvor schon seit Ende Juni mit Unterbrechungen ein erhöhtes und steigendes Risiko-Sentiment. „Entspannung“ gab es zuletzt nur Ende August bis Anfang September, sowie Ende Oktober.

Nachtrag: Am 23. November konnte in einer Bund-Auktion lediglich ein Drittel des angebotenen Volumens verkauft werden. Die Verzinsung zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg danach bis zum Ende der Woche um 0,35 auf knapp 2,27%.

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