Der jammernde FAS-Redakteur und Herr Papandreou

Patrick Bernau, Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat vor etwas mehr als einem Jahr eine Griechenland-Anleihe gezeichnet; wie er damals meinte, zu einem guten Preis.

Am vergangenen Wochenende darf der Redakteur an prominenter Stelle jammern: Nach den Eurozonen-Beschlüssen vom vergangenen Mittwoch (die nach der überraschenden Wende von Papandreou wohl Makulatur sind) sollen private Gläubiger des Pleitelandes auf die Hälfte ihres Kredits verzichten.

Bernau schimpft, habe sich auf Aussagen eines Herrn Schäuble, Finanzminister in Deutschland, verlassen, der sagte, bis 2013 sei Griechenland sicher und versprochen hat: „Es geht nicht um Umschuldung, das ist kein Thema.“ Er, Bernau, habe ihm geglaubt, jammert er. Und erkennt: Auf die Politiker ist kein Verlass.

Guten Morgen! Auch schon kapiert?!

Beim Kauf der Anleihe hat sich Bernau seinerzeit ob seines „genialen“ Schachzugs gebrüstet, hat davon geredet, den Griechen zu helfen, hat geschwärmt von der hohen effektiven Rendite seines Geschäfts, usw.

Er hätte sich auch vor einem Jahr schon ausrechnen können, dass das nicht gut geht.

Und die Redaktion wäre gut beraten gewesen, Bernau an weniger prominenter Stelle jammern zu lassen.

Aber gegen Ende des Artikels wird es doch noch interessant.

Bernau glaubt nämlich nicht, dass der Haircut durchgezogen wird. Würde Griechenland nämlich durch einseitige Änderung des Kreditvertrags (rechtlich möglich) einen Verzicht der Gläubiger erzwingen, könnte das ein „credit event“ begründen und Kreditversicherungen für griechische Anleihen fällig werden lassen. Diese CDS so spekuliert er, könnten möglicherweise eine Bank umkippen lassen. Und das will ja keiner, hofft er.

Vielleicht ist genau das die Karte, die Papandreou jetzt spielt, wenn er „überraschend“ auf Demokratie macht und das Volk befragen will zum künftigen Kurs des Landes. CDS sind möglicherweise ein wichtiges Druckmittel, mit dem Papandreou weitergehende Zugeständnisse der Eurozone erpressen könnte.

Nachtrag: Nun, das mit der „Demokratie“ war schon kurz nach Abfassung dieses Artikels wieder vom Tisch. Bleibt u.a. die Frage, was Papandreou versprochen bekommen hat. Außerdem: Die Rating-Agenturen hatten im Sommer noch davon gesprochen, dass auch freiwilliger Schuldenverzicht als „credit event“ gewertet werden könnte. Davon ist aktuell nicht mehr die Rede.

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