Die Fed hat gesprochen

Im Fed-Kommunique zur FOMC-Sitzung, die gestern Abend zu Ende ging, ist von „significant downside risks“ und möglicher Stagnation die Rede. Die Investitionen im Unternehmensbereich seien weiter schwach, der Häusermarkt am Boden. Obwohl sich die Konjunktur wahrscheinlich schneller erholen werde, bleibe die Arbeitslosigkeit hoch. Die Inflationsrisiken bleiben weiter gering, heißt es.

Die Fed startet, wie erwartet, „Operation Twist“ bei einer Bilanzsumme von aktuell 2,85 Bill. Dollar. Kurzfristig fällige Anleihen in ihrem Bestand werden gegen lang laufende Papiere getauscht. Bis Juni 2012 soll auf diese Weise der Anteil lang laufender Treasuries im Fed-Besitz um 400 Mrd. Dollar erhöht werden. Der Fed-Funds-Zielsatz bleibt erwartungsgemäß auf seinem historischen Tiefstand im Zielkorridor zwischen 0,00% und 0,25%. Die Fed bekräftigte ihre Absicht, den Leitzins bis mindestens Mitte 2013 außergewöhnlich niedrig zu halten. Sieben der zehn FOMC-Mitglieder stimmten für die „Operation Twist“, drei waren unter Hinweis auf die hohe Inflation dagegen.

Einige Beobachter hatten im Vorfeld der Fed-Entscheidung gehofft, die Fed werde mehr tun als die ohnehin erwartete „Operation Twist“. Sie sagen, das sei zu wenig, um die anemische Wirtschaft zu stützen. Die Fed habe die Möglichkeit gehabt, einzugreifen und die Märkte zu stützen. Statt dessen sei sie extrem konservativ vorgegangen, insbesondere vor dem (widersprüchlichen) Hintergrund, dass sie gleichzeitig Abwärtsrisiken betonte und ein Anziehen der Erholung erwarte.

Weitere Stimmen zur FOMC-Entscheidung: Operation Twist wird den Dollar nicht entwerten. Der Immobiliensektor wird durch die Aktion gestützt. Das sei auch nötig.

Weitere Stimmen: Das lange Ende der Zinsstrukturkurve werde etwas abnehmen, das kurze, was für die Währungsmärkte wichtiger sei, werde aber wenig beeinflusst. Frühere QE-Programme hätten Dollar-schwächend gewirkt, „Operation Twist“ sei diesbezüglich weitgehend neutral.

Andere Beobachter stellen heraus, „Operation Twist“ werde wenig Einfluss auf die Kredittätigkeit insgesamt haben. Wieder andere sagen, auch die zuvor ergriffenen QE-Maßnahmen im Volumen von über einer Bill. Dollar hätten kaum Effekt gehabt.

Als Reaktion auf die Fed-Entscheidung fallen US-Aktien. Banken und Versicherungen führen die Verlierer an. Der KBW Bank Index fällt um 5,5%, der KBW Insurance Index minus 5,2%.

Belastend wirkt auch, dass Moody’s die Kredit-Ratings von BofA, Wells Fargo und Citigroup senkt. Als Grund wird angeführt, die Regierung habe weniger Mittel, um große Kreditgeber in Schwierigkeiten herauszuhauen.

Die Versicherer sind von „Twist“ besonders betroffen, weil das die langfristigen Renditen drückt. Erträge aus festverzinslichen Anlagen stellen einen nicht unbedeutenden Ertragsanteil dieser Unternehmen dar.

Der Tech-Sektor hielt sich noch einigermaßen: Oracle steigt um 4,2% nachdem am Vortag gute Quartalszahlen gemeldet wurden. Hewlett-Packard steigen um 6,6% nach Gerüchten, der CEO Leo Apotheker werde gefeuert und durch Meg Whitman (früher Ebay) ersetzt.

Der S&P 500 hat den wichtigen Pegel bei ~1173 gebrochen und auch unter der EMA14 geschlossen. Schon am Vortag hatte sich die Marke ~1220 erneut als Widerstand gezeigt. Die hier skizzierte Seitwärts-Range zwischen 1220 – 1120 – 1020 scheint Bestand zu haben.

Nachtrag: Die Aktion der Fed wirkt tatsächlich „müde“ angesichts der sich auftürmenden Probleme allerorten. Das könnte den Grund haben, dass hinter den Kulissen an einer globalen, konzertierten Aktion gearbeitet wird. Was könnte das sein? „Hair cut“ bei Schuldenstaaten (Griechenland, auch Italien usw.) mit Rekapitalisierung, bzw. Verstaatlichung strauchelnder Banken? Scheint mir das Wahrscheinlichste.

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