Griechenland-Pleite – ein Gedanke

Am Freitag dieser Woche, also morgen, kommen die Finanzminister der Eurozone mit ihrem US-Kollegen Geithner zusammen. Klar, dass damit Einigkeit demonstriert werden soll: „Wir stehen zusammen und ziehen an einem Strang.“

Ich halte es für nicht allzu abwegig, dass an diesem Freitag auch die Pleite Griechenlands beschlossen wird. Natürlich ist das sehr spekulativ. Aber da die Politik besonders in der Staatsschuldenfrage den Ereignissen immer hinterherläuft, würde damit nur vollzogen, was schon lange (fast) jedem klar ist.

Nach Reuters (basierend auf Markit CDS) ist die Wahrscheinlichkeit einer Griechenland-Pleite 90%. Die Rendite von griechischen 2jährigen Bonds liegt aktuell bei über 90% – auch das ein Hinweis in dieselbe Richtung.

Moody’s hat die Bonität der Crédit Agricole (jetzt „Aa2“) und Société Générale (jetzt „Aa3“) um jeweils eine Stufe heruntergestuft. Grund sei deren Griechenland-Engagement. Der Ausblick ist negativ. Das Rating der BNP Paribas werde weiter auf eine Herabstufung geprüft, man sieht aber keine Notwendigkeit zur sofortigen Senkung. Das war erwartet worden, die „Märkte“ reagierten darauf gestern morgen nicht negativ. Später legten Aktien kräftig zu.

Nomura Securities sagt, eine Griechenland-Pleite koste deutsche Banken 9 und französische Banken 16 Mrd. Euro.

Was wäre zu erwarten, wenn am Freitag die Pleite verkündet wird (natürlich zusammen mit dem Versprechen, die Banken zu stützen)? Mag sein, dass kurzfristig die Welt untergeht.

Und dann?

In einem anderen Zusammenhang hat Colin Twiggs von Incrediblecharts zwei Alternativen vorgestellt: Reaktion wie bei “Bear Stearns” oder wie bei “Lehman”. Im ersten Fall, Mitte März 2008, gelang es der Fed, Vertrauen in ihre Fähigkeit zu schaffen, die Krise zu lösen. Der S&P 500 stieg daraufhin von 1275 aus in gut vier Wochen 150 Punkte an. Im zweiten Fall, Mitte September 2008, vertrauten die „Märkte“ der Fed nicht mehr, der S&P 500 stieg zwar unmittelbar nach der Lehman-Pleite noch kurz an, dann sackte er aber von 1255 in gut zwei Monaten durch bis unter 760.

Die europäische Uneinigkeit spricht eher für eine Vertrauenskrise und damit eine „Lehman“-Reaktion. Allerdings ist das nun mittlerweile auch keine Neuigkeit mehr. Die Tatsache, dass die USA demonstrativ zur Seite stehen, könnte hingegen für neue Phantasie sorgen. Außerdem hilft ja jetzt China… Hinzu kommt, dass die Kurse vor der Lehman-Pleite nicht sonderlich stark nachgegeben hatten (der Zeitpunkt des Ereignisses selbst also wohl überrascht hat), während aktuell die Kurse schon längere Zeit vorher (seit Ende Juli) heftig gelitten haben und auch dieses Pleite-Ereignis damit wohl eingepreist ist.

Mir scheint in der aktuellen Situation eine Aufwärtsreaktion wahrscheinlicher. Es dürfte sich die Haltung durchsetzen „jetzt ist es raus und klar“ und damit ist eine (1) Unsicherheit beseitigt. Als Vertrauensbeweis für die Politik würde ich diese jedoch nicht interpretieren, eher als „ist auch egal, Hauptsache, es fließen Rettungs-Milliarden“.

Wie nachhaltig könnte eine Stabilisierung, bzw. Aufwärtsbewegung ausfallen? Bei „Bear Stearns“ waren die Gewinne bereits Ende Juni 2008 wieder ausgelöscht. Diesmal steht als wichtige Hürde im S&P 500 1220 an, ein Überschießen bis rund 1250 wäre nicht aus der Welt.

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