Realitätscheck US-Wirtschaft August 2011

Wo steht die US-Wirtschaft? Ein Realitätscheck soll helfen, die Frage zu beantworten.

Der „Diffusionsindex“ aus Industrieproduktion, Stellenanzahl, privatem Einkommen und Konsumausgaben in den USA ist unter die Schwelle von 50 % gefallen. In den zurückliegenden 35 Jahren gab es einen engen Zusammenhang zwischen einer Notiz unter 50 % und fundamental problematischen Wirtschaftsphasen. Der ISM-Index steht kurz über der Scheidelinie von 50 %. Er ist in den zurückliegenden Monaten stark gefallen. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Daten einiger, im folgenden im einzelnen dargestellter Makroindikatoren im Monatsvergleich eine leichte Verbesserung.

Die persönlichen Konsumausgaben sind demgegenüber im Juni gesunken, für Juli liegt noch kein Wert vor. Die Entwicklung der verfügbaren Einkommen weist zwar nach oben, jedoch verlangsamt sich die Bewegung, da die Sparquote seit einigen Monaten wieder ansteigt. Das lässt erwarten, dass die Konsumtätigkeit auch künftig gedrückt bleibt.

Die Preisentwicklung ist seit Mai 2009 nahezu durchgängig „ungesund“ und entwickelt sich stärker in diese Richtung. Die Kredittätigkeit belebt sich seit einigen Monaten etwas, allerdings ist die Dynamik bisher sehr schwach. Die Liquiditätsversorgung nimmt weiterhin zu, die Umlaufgeschwindigkeit konterkariert das etwas.

Das Gesamtbild zeigt eine Konjunkturerholung, die praktisch zum Stillstand gekommen ist. Der konjunkturelle Gipfel scheint erreicht, ein Abschwung steht an. Wird daraus ein Rezession? Die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession zurückfällt, würde ich, alle Aspekte zusammengenommen, aktuell auf knapp 50 % taxieren. Die Beziehung der unterschiedlichen Renditelaufzeiten zueinander zeigt ebenfalls noch nicht an, dass eine Rezession ansteht. Das bezogen auf die Höhe der Gesamtverschuldung zu geringe Wirtschaftswachstum trägt jedoch wesentlich dazu bei, dass die Situation schnell entgleisen kann.

Im Einzelnen:

Der US-Industrieproduktionsindex ist im Juli stärker gestiegen als erwartet. Seine Expansionsphase ging im Juni zu Ende.

Die Konsumausgaben sind im Juni gesunken. Übers Jahr sind sie um knapp 4,5 % angewachsen.

Die verfügbaren realen Einkommen sind im Juni gestiegen. Seit Mai entwickelt sich dieses Makrodatum aber unter dem Trend („Contract“).

Die Preisstruktur bleibt auch im Juli „ungesund“. Der Abstand zwischen PPI und CPI weitet sich noch aus.

Die Anzahl der Stellen steigt im Juli weiter, die Bewegung verläuft weiterhin sehr flach.

Die Kredittätigkeit weitet sich im Juli den vierten Monat in Folge aus. Die Bewegung verläuft aber weiterhin flach. Im Jahresvergleich bleibt ein Minus von 1,1 %.

Die Versorgung der US-Wirtschaft mit liquiden Mitteln steigt im Juli den sechsten Monat in Folge. Die Umlaufgeschwindigkeit dieser Mittel nimmt das vierte Quartal in Folge ab.

Der „Diffusionsindex“ (rot) aus Industrieproduktion, Stellenanzahl, privatem Einkommen und Konsumausgaben in den USA ist unter die Schwelle von 50 % gefallen. In den zurückliegenden 35 Jahren gab es einen engen Zusammenhang zwischen einer Notiz unter 50 % und fundamental problematischen Wirtschaftsphasen. Zudem fällt auf, dass er sich im langfristigen Vergleich immer weniger über 50 % erhebt.

Der ISM-Index ist im Juli weiter gesunken und notiert nur noch knapp über der Scheidelinie von 50 %. Fällt er darunter, muss mit weiterer wirtschaftlicher Kontraktion gerechnet werden.

Die statistische Auswertung der Zinsstruktur zeigt gegenwärtig noch nicht an, dass eine Rezession zu erwarten ist. Im April 2009 und im November 2010 „fehlte nicht mehr viel“. Allerdings geht die aktuelle Trendrichtung dahin, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession erhöht. Werden Richtung und Stärke beibehalten, wäre in drei, vier Monaten die 50%-Schwelle erreicht.

Zum Artikelbild:
Die FAZ-Grafik zeigt einen idealtypischen Konjunkturverlauf mit ebenso idealtypischen Aktienanlagezeitpunkten. Die Frage ist, wo stehen wir aktuell. Am Gipfel? Oder noch in der Aufschwungphase (nicht selten kommt es in der Mitte der Aufschwungphase zu einem „konjunkturellen Innehalten“)? Ich denke, der konjunkturelle Gipfel ist erreicht.

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