Dollar-Index: Quo vadis?

Der US_Dollar-Index gibt den Wert des Dollar gegenüber einem Währungskorb wider, der sich aus sechs Währungen zusammensetzt. Der Euro hat einen Anteil von 58 %, der japanische Yen rund 14 %, das britische Pfund rund 12 %, der kanadische Dollar rund 9 %, die schwedische Krone rund 4 %, der schweizer Franken unter 4 %. Ein steigender Index zeigt eine Aufwertung des US-Dollars gegenüber den Währungen des Währungskorbs, ein fallender Index eine Abwertung.

Die Fed berechnet den “Trade Weighted US Dollar Index”, der das Verhältnis von 26 Währungen im Vergleich zum US-Dollar darstellt. In der Hauptgruppe (Major Currencies Index) sind die folgenden 7 Währungsräume enthalten: Euro (~37 %), japanischer Yen (~30 %), britisches Pfund (~17 %), kanadischer Dollar (~8,5 %), schweizer Franken (~3 %), australischer Dollar (~2,6 %) und schwedische Krone (~2 %).

Während der “Trade Weighted US Dollar Index” als makroökonomischer Index gilt, wird der Dollar-Index an der Terminbörse ICE Futures U.S. gehandelt. Er hat damit im Tagesgeschäft an den Finanzmärkten die größere Relevanz. Er wird im folgenden näher untersucht.

Der Dollar-Index in verschiedenen zeitlichen Auflösungen (die Index-Werte mit 100 multiplizieren):

Im langfristigen Verlauf lässt sich seit 2003 bis zum Frühjahr 2008 ein deutlicher Rückgang verfolgen, dem im Juli ein steiler Anstieg mit Toppbildung zum Jahresende 2008 hin folgte (offener Ausbruch der Finanzkrise). Dem Rückzug mit Tief im Januar 2010 folgte ein Anstieg bis auf das “Krisen-Topp”.

Anfang Juli 2010 schienen die Befürchtungen hinsichtlich des ersten Ausbruchs der Griechenland-Krise, sowie “double-dip”-Sorgen eingepreist, der Dollar-Index korrigierte scharf bis Anfang November, als die Fed den Startschuss für QE2 gab. Nach einer weiteren, mäßigen Aufwärtsepisode, leitete der Index im Dezember einen weiteren Abwärtsswing ein, der Ende März 2011 zu Ende ging.

Aktuell notiert der Index im Bereich des beim Start von QE2 gebildeten Tiefs (~75,80). Seit Mitte 2010 hat sich eine abwärts gerichtete, keilförmige Formation gebildet. Der Index notiert aktuell leicht darüber, der Bruch ist noch nicht signifikant. Ein Bruch signalisierte deutliches Aufwärtspotenzial, erste Anlaufstelle wäre der Bereich um 78.

Da die Weltmarktpreise von Rohstoffen in Dollar notieren, bedeutet ein sinkender Dollar-Index tendenziell steigende Rohstoffpreise. Besonders eng ist der Zusammenhang bei Agrarrohstoffen und den Ölpreisen. Bei Ölpreisen wird das häufig so begründet, dass Erdölexporteure danach trachten, den Wert ihrer Exporte in eigener Währung zu erhalten.

Aber auch US-Aktienkurse sind über weite Strecken recht gut mit dem Dollar-Index negativ korreliert. Als landläufige Erklärung gilt in den zurückliegenden Jahren u.a., dass ein schwächerer Dollar den US-Multis eine bessere Stellung im internationalen Wettbewerb und damit Extra-Profite verschafft. Eine andere Erklärung läuft darauf hinaus, dass Unternehmen des Energie- und Rohstoff-Sektor mit steigenden Rohstoffpreisen (durch sinkenden Dollar-Wert) zumindest ihre absolute Gewinnmasse steigern können. Das beeinflusst großen Indices im bullischen Sinne, in denen dieser Sektor stark gewichtet ist.

Die angesprochenen Korrelationen sind gerade auch aktuell gut ausgeprägt, zumindest was Rohstoffpreise und Aktienkurse angeht.

Ein steigender Dollar-Index signalisiert, dass der Greenback aus dem Ausland zurückgerufen wird. Damit wird den internationalen Asset-Märkten Liquidität entzogen, die Preise und Kurse bisher angetrieben hat. Ein Ersatz hierfür ist gegenwärtig nicht in Sicht.

Der “Dollar-Rückruf” kann auch als “safe-heaven”-Reflex in unsicheren Zeiten interpretiert werden: “Zu Hause” sind die liquiden Mittel immer noch sichersten.

Gold wird häufig als Absicherung gegen Dollar-Werteverfall gesehen wird. Unstreitig – Gold ist zuletzt ebenfalls mit festerem Dollar-Index etwas “unter die Räder gekommen”. Ich sehe allerdings als entscheidende Triebkraft hinter dem Goldpreis nicht so sehr den (Inflations-bedingten) Werteverfall, sondern v.a. die Schuldenproblematik. Siehe: Gold – Ende der Hausse nahe?. Aus dieser Sicht dürfte sich die Schwäche beim Gold nicht nachhaltig mit der Dollar-Stärke weiterentwickeln, sondern wird übergeordnet hauptsächlich von der Einschätzung der Schuldnerbonität der USA bestimmt. Auch hier gilt natürlich nur ein relatives Maß – gegenwärtig wird mit der Griechenland-Krise vor allem die Schuldenkrise in der Eurozone hoch gespielt. Und im Vergleich dazu gelten dann sogar Schuldscheine aus den USA als “sicherer Hafen”. So lange, bis sich die relative Sicht ändert…

Börsentäglich werden im offenen Bereich von “Intermarket” die wichtigsten Intermarket-Korrelationen bereit gestellt (siehe Chart!):

Ebenfalls börsentäglich werden im „Markttelegramm“ auf der Startseite die Charts von Euro/Dollar und Dollar-Index aktualisiert.

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