Staaten: Schulden ohne Ende

Eine aktualisierte Übersicht für 2012 finden Sie hier!

Nach dem „Economic Outlook No 88“ vom Dez 2010 der OECD hat sich die Situation bei der Staatsverschuldung verschlechtert. Die nachfolgende Darstellung basiert auf den Projektionen der OECD für 2011.

Soliditäts-Spitzenreiter ist weiterhin Norwegen, die Plätze am Ende belegen wie im Vorjahr die USA, Griechenland und Japan. England, für 2010 auf dem viertschlechtesten Rang platziert, konnte sich ein wenig verbessern.

Staatsverschuldung – welche sollte man als Maßstab nehmen? Ich finde die Netto-Verschuldung aussagekräftiger. Hier werden auch die im Staatsbesitz befindlichen Assets eingezogen. Sind die hoch, hat der Staat trotz hoher Schulden die Möglichkeit, diese durch Verkauf solcher Assets abzubauen.

Der folgende Chart stellt die Verhältnisse ausgehend von der Netto-Staatsverschuldung dar. Die Rangfolge wird zunächst von der Staatsverschuldung her bestimmt, innerhalb desselben Rangs wird nach der Höhe des Defizits geordnet.

Der folgende Chart legt die Brutto-Verschuldung zugrunde.

Reinhart und Rogoff nennen in ihrem Buch „This time is different“ aus langfristigen historischen Untersuchungen eine kritische Schwelle: Liegt die (Brutto-)Staatsverschuldung bei über 90 % des BIP, helfen weitere Schulden, auch wenn mit ihnen streng nach Keynes investive konjunkturbelebende Projekte finanziert werden, nicht mehr aus der Misere heraus, das Wachstum sinkt signifikant (http://www.voxeu.org/index.php?q=node/5395). Umschuldung/Restrukturierung ist eine nahezu zwingende Folge.

Die Autoren haben interessanterweise bei ihrer historischen Analyse bei den industrialisierten Länder als Gruppe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen hoher Staatsverschuldung und Inflation gefunden. Für einzelne (wie z.B. für die USA) konnte ein solcher Zusammenhang sehr wohl gezeigt werden. Auch bei den Emerging Markets hängen hohe Staatsverschuldung und Inflation eng zusammen, zudem sind die kritischen Schuldenschwellen hier deutlich niedriger (60 statt 90 %).

Eine andere Daumenregel besagt, ein Land hat dann nur noch geringe Chancen, aus der Schuldenfalle zu entkommen, wenn es 30 % oder mehr der jährlichen Steuereinnahmen für Zinsen aufwenden muss. Bei einem Anteil von 40 % ist eine Schuldenrestrukturierung mit damit verbundenen Abschreibungen kaum zu vermeiden.

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