Bullen – die nächste Welle?

Die Aktienmärkte haben sich sehr stark vom Einbruch in Zusammenhang mit der mehrfachen Katastrophe in Japan erholt – allen voran der Dow Jones Index. Er hat in den vergangenen beiden Tagen an seinem Mehr-Jahres-Hoch bei rund 12390 angeklopft. Aber auch der japanische Nikkei kann sich sehen lassen, er steht heute mehr als 1100 Punkte über seinem Katastrophen-Tief.

Die erste, von kurzfristig orientierten „Schnäppchenjägern“ getriebene Erholungsphase dürfte vorbei sein. Das Handels-Volumen an der NYSE war nach dem 16. März, dem Panik-Tag, durchweg unterdurchschnittlich, vor einigen Tagen wurde sogar das niedrigste Niveau gesehen. Selbst am Panik-Tag lag es kaum höher als am 23. Februar, als der S&P 500 von seinem Jahreshoch abstürzte.

Zum Quartalsende wurde angelegentlich Window-Dressing betrieben. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit. Mit anderen Worten jetzt stellt sich heraus, ob den „Zockern“ die „Anleger“ folgen.

Dies lässt sich recht zuverlässig an der Auswertung der Volumenverteilung ablesen, nämlich am Verlauf des Volumenanteils, der auf steigende Aktien entfällt. Fällt er, ist der S&P 500 in der Distributions-Phase, steigt er, wird akkumuliert. Die aktuelle Distributionsphase begann am 7. März, in den vergangenen Tagen zeichnet sich eine Bodenbildung im Verlauf ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus diesem Momentum-Verlust ein Umschalten in Akkumulation ergibt, ist hoch (siehe Chart!).

Der „ADL“-Indikator, der bezogen auf die Gesamtzahl von Aktien steigende Anteil, läuft innerhalb der Marktstruktur-Daten in der Regel vor. Er hatte am 17. März sein Tief erreicht und ist mittlerweile kräftig angestiegen.

Die Gesamtheit der beobachteten Markt-Indikatoren hat Mitte März bereits ihr bärisches Extrem erreicht und zeigt sich aktuell mäßig bullisch. (siehe Chart!).

Die Sentiment-Auswertung zeigt, dass das Aktien-„Klima“ recht weit in „Fear“ gedreht hat. Bis zu „Greed“ ist es noch ein Stück, da bleibt noch Raum für eine bullische Entwicklung (siehe Chart!). Der VIX ist zwar charttechnisch deutlich überverkauft, jedoch gibt es Anzeichen dafür, dass die normalerweise gegenläufige Entwicklung von VIX und S&P 500 aufgehoben werden könnte. Solche Situationen einer „wall of worry“ (oder „ditch if ignorance“) bilden gelegentlich den Hintergrund für stabile bullische Entwicklungen.

Aus den Markt-Indikatoren ergibt sich der Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit für eine zweite bullische Welle an den Aktienmärkten groß ist. Kurzfristig dürfte allerdings das Geschehen von den heute zur Veröffentlichung anstehenden US-Arbeitsmarktdaten und vom ISM-Index abhängen.

Bei der Analyse der Verfassung der Finanzmärkte lohnt auch immer ein Blick auf den Dollar, und zwar insbesondere auf den Dollar-Index. Der ist vor einigen Tagen aus seinem Abwärtskanal aus Jahresanfang nach oben ausgebrochen und hat gestern dessen Obergrenze von oben getestet (siehe Chart!). Häufig geht ein Anstieg der Dollar-Werts mit kontraktiven Tendenzen in den Finanzmärkten einher – man kann dann auch von einem „safe-heaven“-Reflex sprechen.

Im aktuellen Fall erstarkt der Dollar in den vergangenen Tagen jedoch zeitgleich mit einer deutlichen Abschwächung des Yen. Die ist auch Ziel von Währungs-Interventionen der G-7. Aktuell dürfte hierbei noch hineinspielen, dass Fed-Offizielle zuletzt durch Kommentare aufgefallen sind, die eine Zinswende noch in diesem Jahr erwarten lassen. Bisher war die Mehrheit der Beobachter davon ausgegangen, dass damit erst in 2012 zu rechnen ist. Da davon ausgegangen werden kann, dass die Zinsen in Japan noch sehr, sehr lange sehr niedrig bleiben werden, ergibt sich für Kredite per Yen-Carry-Trade eine interessante und verlässliche Situation. Genau das dürfte in den vergangenen Tagen dazu geführt haben, dass der Dollar erstarkt. Eine zunehmende Carry-Trade-Aktivität wiederum ist ein Zeichen zunehmender Risikoneigung, der Zusammenhang kann schön am Verlauf eines entsprechenden ETF abgelesen werden (siehe Chart!).

Und das führt wieder zur Ausgangsfrage zurück: Bullen – die nächste Welle? Und zur Antwort: Ja, sehr wahrscheinlich.

Allerdings sollte man nicht verkennen, dass die Zahl und Größe der Stolpersteine für die Bullen momentan sehr groß sind. Da sind die Unruhen in Nah-Ost, die bei weitem nicht überstandene Katastrophe in Japan, sowie die jetzt anlaufende Quartalssaison. Bei der dürfte sich vermehrt die Frage stellen, wie die steigenden Rohstoffkosten die Entwicklung der Unternehmensgewinne tangiert.

Nachtrag:

Aus der Auswertung der fraktalen Oszillatoren ergibt sich eine vergleichbare Aussage. Die expansiven Positionen (“bullish inflow”) nehmen zu und sind seit einigen Tagen stärker als die kontraktiven Positionen (“bearish inflow”), die überdies abnehmen.

 
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