Reaktion der Finanzmärkte nicht immer „logisch“?

Die Auswirkung bestimmter Ereignisse auf die Finanzmärkte ist manchmal schwierig einzuschätzen. Scheinbar reagieren sie dann „unlogisch“, gegen alle volkswirtschaftlichen Weisheiten. Das trägt zur allgemeinen Verunsicherung in Krisensituationen bei. Häufig ist die Frage der zeitlichen Perspektive wichtig. In akuten Krisen spielt der kfr Horizont die Hauptrolle, danach geht es um längere Zeiträume. Dementsprechend kann sich die Reaktion der „Märkte“ auf das gleiche Ereignis schnell ändern, sich sogar ins Gegenteil verkehren.

Beispiel Japan: Japans BIP dürfte wegen der Katastrophe zunächst um 0,5 bis 1 % sinken. Das müsste den Yen eigentlich unter Druck bringen – tat es aber nicht. Warum? Es gab signifikante Rückflüsse von Yen aus dem Ausland nach Japan. Das hat den Yen gestärkt (zeitweilig auf ein Allzeithoch gegen Dollar) – am Mi vor einer Woche innerhalb von Minuten. Dem traten die G-7 am Fr der Vorwoche entgegen – der Yen gab daraufhin 8 % gegen den Dollar ab. Das ermöglicht es japanischen Akteuren nun, ihr (weiteres) Kapital im Ausland zu vertretbaren Konditionen zurück zu holen.

Der gesamtwirtschaftliche Schaden wird in Japan auf bis zu 220 Mrd. Euro taxiert. Das ist mfr gleichbedeutend mit einem Nachfrageschub in etwa gleicher Höhe, von dem die japanische Infrastrukturindustrie, aber auch die der Nachbarländer besonders profitieren wird. Es könnte theoretisch sogar so weit kommen, dass hierdurch die seit Jahren andauernde deflationäre Situation in Japan beendet wird. Das kann dann den Yen sogar nachhaltig stärken.

Beispiel Ölpreise: Blenden wir „Nahost“ aus, dann müsste der Nachfrageausfall aus Japan wegen der danieder liegenden Wirtschaftstätigkeit zu sinkenden Ölpreisen führen. Das geschah auch kfr. Mfr jedoch wird umgekehrt ein Schuh draus – Japan muss bis etwa 10 % seiner Energieerzeugung umstellen auf Öl und Gas. Das Land ist sowieso schon drittgrößter Ölverbraucher aus der Welt – da fällt das ins Gewicht.

Nimmt man jetzt „Nahost“ hinzu, so sorgen natürlich die anhaltenden Unruhen dort (erst recht, wenn sie Saudi-Arabien voll erfassen) kfr für Engpässe und damit für steigende Preise. Wenn allerdings die Feudalherren noch einmal obsiegen können, ist mit fallenden Preisen zu rechnen, weil man es ja mit bekannten Größen zu tun hat. Wenn umgekehrt die Feudalherren verschwinden, wirkt das preistreibend, da befürchtet werden kann, dass die Lieferungen nicht so zuverlässig wie früher laufen.

Beispiel Euro-Schuldenkrise: Vor einem Jahr kollabierte der Euro, als GR gerettet werden musste. Die „Märkte“ waren unsicher, was die Politbürokratie in dieser neuen Situation tut. Sie tat das, was dem Finanzsektor am wenigsten wehtut (in Gegenteil, ihm auch noch Geschäfte verschafft). Also konnte man unbesorgt zur Tagesordnung übergehen: Im Nov musste IRL gerettet werden – es tangierte den Außenwert des Euro deutlich weniger. Jetzt steht P an – den Euro interessiert es nicht mehr. Die Schuldenlast der industrialisierten Länder ist untragbar hoch, aber es ist –wenigstens aktuell- kein „Aufreger“ an den Finanzmärkten. Man hat sich daran gewöhnt.

Die Finanzmärkte gewöhnen sich (fast) alles, negative Dinge werden nach einer gewissen Zeit einfach ausgeblendet. Das gilt auch für die Nuklearkatastrophe in Japan. Die „Märkte“ gewöhnen sich daran, preisen sie ein und beginnen, „Kaufgelegenheiten“ zu sehen. Das Ergebnis kann man am Nikkei selbst sehen – er erholte sich kräftig.

Solche Katastrophen in der Realwirtschaft sind aus der Sicht der Finanzmärkte etwas völlig anderes als etwa die zurückliegende Finanzkrise (zumindest ihr offener Ausbruch). Die Finanzkrise schien anfänglich den Finanzmärkten selbst den Boden zu entziehen. Erst als die Liquiditätsflut einsetzte, beruhigte sich die Situation allmählich. Bei Katastrophen in der Realwirtschaft sehen die „Märkte“ ziemlich rasch die Chancen in der Krise. In steigendem Maße verlassen sie sich auf die in einem solchen Zusammenhang bereitgestellte Liquidität (in Japan bis jetzt deutlich über 200 Mrd. Euro).

Es fällt auf, dass die US-Aktien den „Japan“-Einbruch fast wieder wett gemacht haben – ganz im Gegensatz etwa zum DAX. Da fragt sich, ob die Katastrophe in den USA noch nicht genügend oder hier übertrieben eingepreist ist.

 
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