Der neue Banken-Stresstest

Die Europäische Bankenaufsicht EBA hat die Szenarien für den zweiten Banken-Stresstest zusammengestellt. Am 18. März werden die endgültigen Kriterien veröffentlicht und die Liste der teilnehmenden Banken vorgestellt. Die Ergebnisse sollen dann im Juni vorliegen.

Der erste Test hatte im vergangenen Juli u.a. ergeben, dass alle untersuchten irischen Banken „stressfest“ waren. Vier Monate später benötigten sie erhebliche Hilfsmittel aus dem europäischen Rettungsschirm.

Mit 88 europäischen Instituten ist die ausgewählte Bankengruppe weitgehend unverändert. Damit werden rund 65 % des europäischen Bankensystems abgedeckt.

Der Test basiert auf zwei volkswirtschaftlichen Szenarien. Das erste „Schönwetter“-Szenario orientiert sich an den Wachstums- und Inflationsprognosen der EU-Kommission, sie rechnet für 2011 mit einem Wachstum von 1,6 %.

Im zweiten Szenario wird ein Konjunktureinbruch, sowie eine krisenhafte Entwicklung an den Finanzmärkten zugrunde gelegt. Hierbei schrumpft das BIP der Eurozone 2011 um 0,5 und 2012 um 0,2 %, gleichzeitig soll es einen Einbruch am Immobilienmarkt geben. Das Krisenszenario sieht weiter vor, dass im ersten Quartal 2011 die langfristigen Renditen bei Staatsanleihen im Euroraum um durchschnittlich 75 Basispunkte ansteigen (66 Basispunkte in der EU).

Unterschiedlich hohe Bewertungsabschläge sollen die Bonität der einzelnen Staaten abbilden. Die Aktienkurse in Europa sollen im Krisenszenario um 15 % zurückgehen. Wachsende Spannungen am Geldmarkt sollen zu einem Anstieg der Zinsen für kurzfristige Inter-Banken-Ausleihungen um 125 Basispunkte führen.

Unter Zugrundelegung dieses Krisenszenarios werden die Auswirkungen auf das die kurzfristig gehaltenen Assets im Handelsbuch der Banken untersucht, sowie auf die Mittelbeschaffung an den Kapitalmärkten. Das Bankbuch, in dem der Großteil der Anlagen bis zur Endfälligkeit gehalten wird, wird wie beim letzten Stresstest unter dem Krisenszenario nicht überprüft. Auch die Auswirkungen eines Komplettausfalls eines Staates ist beim neuen Stresstest wie beim alten nicht vorgesehen.

Zum wichtigsten Punkt eines solchen Stress-Tests, dem Kapitalkriterium, fehlen jedoch noch Angaben. Erst dann kann beurteilt werden, ob der Test seinen Namen zumindest etwas mehr verdient. Der alte jedenfalls hatte sich mit der irischen Finanzkrise schon kurz später als Lügengebäude entlarvt.

Beim zurückliegenden Stress-Test galt eine Bank als krisenfest gegen einen exogenen Schock, wenn ihr „Tier-1“-Kapital im Krisenfall nicht unter 6 % der gesamten Vermögensgegenstände rutscht. „Tier-1“ umfasst u.a. Stammkapital, Kapitalrücklagen, einbehaltene Gewinne, sowie eigene Aktien im Bestand. Die Summe hieraus wird zu den risikotragenden Aktiva ins Verhältnis gesetzt und ergibt die Kernkapitalquote. „Tier-1“ enthält in nicht unerheblichem Umfang hybride Kapital-Bestandteile. Ob diese eigenkapitalähnlichen Bilanzwerte (etwa garantierte Zahlungsströme) jetzt auf ihre Werthaltigkeit untersucht werden, muss sich noch zeigen.

Morgan Stanley hatte seinerzeit ausgerechnet, dass bei einer Anforderung eines Tier-1-Ratios von 7 % 24 Banken (bzw. 26,4 % statt 7,7 %) durch den Test gefallen wären. Schon bei einer geforderten Kernkapitalquote von mindestens 6,3 % hätte sich die Zahl der seinerzeit durchfallenen Banken von 7 auf mindestens 17 erhöht.

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